07
Okt
13

„Fireblade Force Festival“ mit rechtsextremen Bands im Landkreis Barnim (Brandenburg)

Nachdem es um Björn Eichhorn, Veranstalter des rechten „Fireblade Force Festivals“, drei Jahre lang ruhig gewesen war, ist er seit Mitte des heurigen Jahres wieder einschlägig aktiv. So wurden im Juni zwei Konzerte (siehe hier und hier) des Haus- und Hof-Soloprojekts „Leichenzug“, das schon zahlreiche Auftritte für Eichhorn absolviert hat, angekündigt. „Leichenzug“ soll nun Anfang November neben zahlreichen weiteren rechten bis neonazistischen Black Metal-Bands auch beim fünften „Fireblade Force Festival“, das an einem bislang geheim gehaltenen Ort im Landkreis Barnim (Brandenburg) stattfinden soll, auftreten. Hinter dem 2004 gegründeten, aus Sachsen stammenden Projekt „Leichenzug“ steht Paul Morgenstern aus Wilkau-Hasslau, der auch in der Zwickauer Death/Black-Metal-Band „Aeveron“ als Schlagzeuger aktiv ist und das Label „Blasphemous Terror Records“ betreibt. Schon auf dem ersten „Leichenzug“-Album, das 2004 bei dem braunen Szene-Label „Nebelfee Klangwerke“ veröffentlicht wurde, finden sich mehrere Coverversionen von Liedern der NS-Black Metal-Band „Absurd“. Das zweite Album mit dem Titel „Das letzte Gebet“, das Morgenstern 2010 auf seinem eigenen Label „Blasphemous Terror Records“ erscheinen ließ, wurde noch im Oktober des selben Jahres auf Liste A indiziert. Auf dem Album findet sich u.a. ein Lied mit dem – dem Bandnamen identen – Titel „Leichenzug“, in dem der „Vernichtungskrieg“ sowie „Ausrottung und Mord im großem Stil“ besungen werden.

Paul Morgenstern von "Leichenzug" besingt den "Vernichtungskrieg"

Paul Morgenstern von „Leichenzug“ besingt „Ausrottung und Mord im großen Stil“

In der Vergangenheit war Morgenstern weiters bei der rechtsextremen Band „Halgadom“ (zu deren Frontmann – dem Neonazi Frank Krämer – Morgenstern aber trotz der Trennung von der Band nach wie vor Kontakt hat) als Sänger aktiv und spielt mit Jörg Hermann von der Neonazi-Band „Kraftschlag“ in der Gruppe „Frozen Abyss“. Die NS-Black Metal-Band „Totenburg“ bezeichnet Morgenstern in einem Interview mit dem rechtsextremen „Advesperum Magazin“ als „gute Kumpels“. Auf der Online-Seite seines Label nennt er unter „Vernetzungen“ die rechten Labels „Nebelklang“ und „W.T.C. Productions“, in einem Shop sind Veröffentlichungen der Neonazi-Bands „Totenburg“, „Menneskerhat“ und „Brainwash“ zu erwerben. Auch ein Album der ukrainischen NS-Black Metal-Band „Chysta Krynycya“ wurde bei „Blasphemous Terror Records“ veröffentlicht.

Die italienische Band „Forgotten Tomb“, die ebenfalls in Barnim auftreten soll, ist seit langem für rechtsextreme Äußerungen von Bandmitgliedern sowie aufgrund ihrer Kontakte und personellen Verbindungen in die NSBM-Szene bekannt. Auch angekündigt sind die Bands „Whiskey ritual“, bei der einige Bandmitglieder von „Forgotten Tomb“ spielen und „The true endless“, bei der „Forgotten Tomb“-Bassist „Algol“ seit dem Jahr 2013 Mitglied ist. Diese ansonsten eher unverdächtige Band findet sich mit einem ihrer Lieder auf einem 2004 veröffentlichten Sampler des Labels „Third Reich Production“ mit dem Titel „Blut und Eisen Vol. 2“ neben Neonazi-Bands wie „Pagan Warrior 88“, „Waffen SS“ und „Wehrmacht HJ“.

Auch die deutsche Gruppe „Waffenträger Luzifers“, die in der Vergangenheit bereits für mehrere Auftritte bei Neonazi-Konzerten angekündigt war, steht auf dem Lineup des „Fireblade Force Festivals“. Die niederländische Band „Funeral Winds“ weist ebenfalls eine Nähe zum Rechtsextremismus auf. 2004 spielten „Funeral Winds“ mit den französischen NSBM-Bands „Ad Hominem“ und „Seigneur Voland“ bei einem einschlägigen Konzert. Im selben Jahr erschien gemeinsam mit „Ad Hominem“ eine Split-Veröffentlichung. 2007 sollte die Band mit „Blessed in Sin“, „Finis Gloria Dei“ und „Absurd“ in Gremsdorf auftreten, sagte aber wegen interner Streitigkeiten ab. Bandmitglied „Balgradon Xul“ (Arno Eikenbroek) ist Session-Schlagzeuger der rechtsextremen Band „Ornaments of Sin“ aus Frankreich. Die Bandmitglieder bekennen sich allerdings nicht alle offen zum Rechtsextremismus, wenngleich sie diesem mit Akzeptanz begegnen: „Hellchrist Xul“ meinte, er habe „ein großes Interesse an Hitlers Leben, sowohl an seiner okkulten als auch seiner ‚Drittes-Reich‘-Seite“, und „einige seiner Ideen und Ideologien übernommen“; er stehe „mit einigen rechten Parteien in Kontakt“, diese kämen seinen Zielen und Ideologien „in einigen Punkten […] nahe“. Seiner Meinung nach sei es „an der Zeit, alle Immigranten zusammen mit der Regierung aus den Niederlanden zu werfen. Öffnet Auschwitz wieder und gebt ihnen allen einen Freifahrtschein zur Hölle.“

Erst kürzlich in Erscheinung getreten ist die Gruppe „Stahlfront“. Das Debütalbum der Band soll beim „Fireblade Force Festival“ präsentiert werden.

"Stahlfront" - eine "neue" NS-Black Metal-Band mit bekannten Gesichtern?

„Stahlfront“ – eine „neue“ NS-Black Metal-Band mit bekannten Gesichtern?

Ein Lied mit dem Titel „Söhne Germaniens“ ist bereits auf „Youtube“ abrufbar, auch auf „Facebook“ ist die Band zu finden. Auf dem Titelbild sind zwei Männer zu sehen, deren Erscheinungsbild eindeutig Anleihen am Nationalsozialismus nimmt. Zumindest einer von vier Bandmusikern ist ein altbekanntes Mitglied der deutschen Neonazi-Szene: Der aus Gera stammende Denis Schoner alias „Herr Rabensang“, auch aktiv bei der NS-Black Metal Band „Totenburg“.

Auf der Facebook-Seite von „Stahlfront“ meldet er sich im September zwei Mal mit seinem Pseudonym „Rudolf Hammerbund“ zu Wort und berichtet jeweils von absolvierten Bandproben. Auf seiner eigenen Facebook-Seite gibt er an, die „Nationalpolitische Erziehungsanstalt“ (eine Kaderschmiede der Nazis) besucht zu haben. Auch findet sich Werbung für Veröffentlichungen seines braunen Labels „Hammerbund“, das auch über einen per Mailadresse erreichbaren Internetversand verfügt, mit dem er seit Jahren – offenbar ungestört – Tonträger von neonazistischen Musikgruppen wie „Aryan Blood“ oder „Der Stürmer“ vertreibt. Ebenfalls auf dem Programm des „Fireblade Force Festivals“ stehen die bislang eher unauffällige Band „Sarkrista“ (Deutschland) und ein nicht namentlich genannter „Special Guest“ – auch hier ist angesichts der übrigen Gestaltung des Lineups mit einem Vertreter des NS-Black Metals zu rechnen.


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