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„Deathkult“-Festival in Göllnitz – keine Sympathie mit Rechtsextremismus?

„Nein“ antwortet Stefan Kuhr, Veranstalter des für das kommende Wochenende angekündigten „Deathkult“-Black Metal Festivals, auf die Interview-Frage der „Ostthüringer Zeitung“, ob bei dem Konzert, das auf dem Gelände des Göllnitzer Getränkehändlers „ES Getränke“ stattfinden soll, rechtsextreme Bands auftreten werden. Manche der angekündigten Bands hätten sich in der Vergangenheit mit Provokationen vergriffen. Die Band „Stutthof“ habe eine rechte Vergangenheit, aber Wandlungen durchgemacht. Der Black Metal werde auch von Neonazis instrumentalisiert, er sei aber entschiedener Gegner davon. Der Verfassungsschutz habe bei keiner der auftretenden Bands einen rechtsextremen Hintergrund ausmachen können.

Mittlerweile gibt es auf den von der OTZ verfassten Artikel Reaktionen aus dem Umfeld des Deathkult-Festivals. So entspann sich etwa im Internetforum der rechtslastigen Szene-Seite „Sturmglanz“ folgender Dialog:

[Eintrag eines Users]: „Ich finde der (…) Artikel ist erstaunlich gut geschrieben, dafür dass der Autor mit Sicherheit keine Ahnung von der Thematik hat.

[Antwort von „JFN“ alias Hendrik Möbus, ehemaliges Mitglied der NS-Black-Metal Band „Absurd“, Produzent und Verkäufer von Tonträgern neonazistischer Bands, Veranstalter entsprechender Konzerte]: „Genau deshalb konnte man ihm ja auch was vom Pferd erzählen… andernfalls hätte er sicherlich mitbekommen, welcher Bär ihm da aufgeschnallt wird…

moebus sturmglanz

Selbst Möbus, Urgestein der braunen Black Metal-Szene in Deutschland, stellt also fest, dass Kuhr im Interview gelogen hat. Im Folgenden wollen wir noch einmal die wichtigsten Fakten zum Deathkult-Festival auf den Tisch legen:

  • Schon in der Vergangenheit veranstaltete Kuhr Konzerte mit rechtsextremen Bands, etwa der finnischen Band „Horna“, deren Frontmann sich mehrmals zum Nationalsozialismus bekannte.
  • Kuhr bekannte sich auf seiner Facebook-Seite offen zu neonazistischen Bands, die Band „Todfeind“ findet er etwa „ziemlich cool“. Unter seinen Facebook-„Gefällt mir“-Angaben finden sich der SS-Obersturmführer und Ariosoph Otto Rahn, der italienische Faschist, Antisemit und Rassentheoretiker Julius Evola und der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker Axel Stoll.

Stefan Kuhr Otto Rahn

  • Mitveranstalter des „Deathkult“-Festivals ist Sven Zimper, Mitglied der bekannten deutschen NS-Black Metal-Band „Absurd“. Zimper produziert und vertreibt über das Label „World Terror Committee Productions“ Musik von neonazistischen Musikgruppen. Mehrere der beim Deathkult auftretenden rechtsoffenen Bands („Paria“, „Chaos Invocation“, „Weltbrand“ und „Dies Ater“) stehen bei ihm unter Vertrag. Das Label „Darker than Black“ von Zimpers Bandkollege Ronald Möbus, der als Sänger bei „Absurd“ aktiv ist, spricht eine deutliche Empfehlung für das „Deathkult“-Festival aus: „When it comes to Black Metal-festivals in Thuringia, then Deathkult is the place to be anyway.“

darker than black

  • Die griechische Band „Stutthof“ wechselte lediglich ihren Namen. Die braune Ausrichtung ist geblieben. So meint die Gruppe in einem Interview mit dem „Sturmglanz“-Magazin im Jahr 2012, dass sich die Band-Philosophie mit dem Namenswechsel nicht geändert habe. Auch bereue man keineswegs die Aussagen, die man in der Vergangenheit getätigt habe (http://sturmglanz.de/bands132.php).
  • Die brasilianische Band „Goatpenis“ sympathisiert ebenso mit dem Nationalsozialismus. In mehreren „Youtube“-Videos ist ein Bandmitglied mit einem T-Shirt der griechischen Neonazi-Band „Der Stürmer“ zu sehen. Die Gruppe steht bei dem einschlägigen Label „Satanic Skinhead Propaganda“ unter Vertrag. Selbiges veröffentlichte im Jahr 2006 etwa einen Sampler mit dem Titel „Declaration of Anti-Semetic (sic) Terror“, auf dem sich zahlreiche NS-Bands finden. Eine davon ist „Nyogthaeblisz“, mit der „Goatpenis“ im Jahr 2012 eine gemeinsame CD veröffentlichten. Auf ihrer Myspace-Seite veröffentlichten „Goatpenis“ ein Konzertfoto, auf dem ein Fan mit Hitlergruß zu sehen ist.

goatpenis t-shirt

Screenshot Goatpenis Myspace


5 Responses to “„Deathkult“-Festival in Göllnitz – keine Sympathie mit Rechtsextremismus?”


  1. 1 grindnaziscumtohell
    Mai 13, 2013 um 10:15 pm

    Hier mal der ganze Beitrag von User JFN aus dem Forum

    „Genau deshalb konnte man ihm ja auch was vom Pferd erzählen… andernfalls hätte er sicherlich mitbekommen, welcher Bär ihm da aufgeschnallt wird.😀

    Naja, wenn die Behörden und der Vermieter kein Problem mit einer Veranstaltung haben dann ziehe ich die durch und der Rest kann mich am Arsch lecken; auf „gute Presse“ ist man da nicht angewiesen und läuft mit derartigen Verlautbarungen ohnehin Gefahr, dass man auf jemanden trifft dem man kein X für ein U vormachen kann.

    Aber soll jeder machen wie er denkt… “

    Eventuell sollte der Vermieter sich mal im Sturmglanz-Forum anmelden. Egal, wie politisch die Bands dort auf dem Deathkult2013 auftreten werden (oder sich eben tarnen) einige Nutzer da tun es da im Forum nicht wirklich. Eventuell sollten wir/ihr ihn mal informieren, was für Leute sich wie über das Festival unterhalten. Lasst uns was machen!

    • 2 fightfascism
      Mai 14, 2013 um 4:57 am

      Wir gehen davon aus, dass der Besitzer des Konzertgeländes, ein Getränkehändler aus Göllnitz, sehr genau weiß, wen er sich da eingeladen hat… Der Bürgermeister und der Thüringer Verfassungsschutz geben sich ja zudem äußerst tolerant gegenüber dem rechten Mist.

  2. 3 grindnaziscumtohell
    Mai 14, 2013 um 8:44 am

    Hi, davon geht nicht nur ihr aus. Der muss wirklich viel Geld bekommen, wenn der da so erfolgreich wegsieht oder seine Blindheit vortäuscht. Liest man Forumbeiträge und schaut mal auf der Last.Fm-Seite zum Deathkult vom letzten Jahr, dann kann sich das Festival ja gern nicht rechtsoffen sehen(haha) – aber einige Teile seines Publikums sind es auf jeden Fall, aber sowas von offen: http://www.lastfm.de/festival/2043645+Deathkult+Open+Air+2012. Zudem wird es auf dem Festival ein Sturmglanz-Forumstreffen geben: „Sturmglanztreff am Freitag, 23 Uhr am Cuba Libre Stand! x3 „.

    • 4 fightfascism
      Mai 14, 2013 um 1:21 pm

      Wir haben bewusst den vorsichtigen Begriff „rechtsoffen“ bzw. „rechtslastig“ verwendet, um zu differenzieren. Unter den Bands, die auftreten und auch unter den KonzertbesucherInnen findet mensch wohl vom gleichgültigen Metal-Fan über rechts-konservativ eingestellte Personen bis zu Neonazis so ziemlich jede Schattierung rechter politischer Ideologie. Die Neonazis, die sich in der deutschen Black Metal-Subkultur bewegen und auch darüber hinaus freuen sich natürlich schon auf das Deathkult-Open Air, weil sie dort gleichgesinnten Bands frönen, braune Musik erwerben und unter sich sein können. Und dies unter den verschlossenen Augen des – bekanntlich gegenüber BRAUN äußerst toleranten – Thüringer Verfassungsschutzes. Auch der Bürgermeister von Göllnitz und der Getränkehänder aus Göllnitz dürften kein Problem mit rechten Gästen haben, sonst würden sie nicht die Lügen, die die Deathkult-Veranstalter Stefan Kuhr und Sven Zimper gegenüber Medien von sich gaben, einfach so übernehmen.

  3. 5 no name
    Mai 16, 2013 um 12:15 pm

    bei sturmglanz wurde der ganze threat zu dem thema bereits belöscht


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