Archiv für Mai 2013

24
Mai
13

„Fireblade Force“-Veranstalter planen wieder NS-Black Metal-Konzert

Seit dem Jahr 2010 war es ruhig um Stev Lippold und Björn Eichhorn. Letzterer organisierte jahrelang das sogenannte „Fireblade Force Festival“, bei dem immer wieder extrem rechte Black Metal Bands auftreten konnten. Gemeinsam mit Lippold betrieb er in Annaberg-Buchholz den Club „Gleis 3“, in dem er ebenso einschlägige Konzerte durchführte. Im Jahr 2007 traten beim „Fireblade-Force-Festival“ im Club „Uni“ in Lichtenstein (Sachsen) die rechtslastigen Bands „Nachtfalke“, „Corpus Christii“ und „Morrigan“ auf, im Jahr 2008  die rechtsextremen bzw. neonazistischen Bands „Nachtfalke“, „Silva Nigra“, „Satanic Warmaster“, „Annihilation 666“ und „Vargsang“, im Jahr darauf u.a. das NS-Black Metal-Soloprojekt „Leichenzug“. Im September 2010 fand das „Fireblade Force“-Festival – diesmal an anderem Ort – zum vierten und letzten Mal statt. Auf dem Programm standen u.a. die rechten Bands „Dies Ater“, „Baptism“ und „Forgotten Tomb“. Wenige Monate vorher – im Juni – war es bei einem im „Gleis 3“ in Annaberg-Buchholz geplanten Black Metal-Konzert zu Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz gekommen. Das Konzert, bei dem die NS-Black-Metal-Band „Totenburg“ gemeinsam mit den Bands „Isolfur“, „Stolthet“ und „Heldgard“ auftreten sollte, konnte im „Gleis 3“ verhindert werden, dürfte schließlich jedoch in Zwickau stattgefunden haben. Schon zuvor dürfte es mindestens neun einschlägige Black Metal-Konzerte im „Gleis 3“ gegeben haben. Mehrmals stand etwa „Leichenzug“ auf dem Programm, auch die bekannte NS-Black Metal-Band „Temnozor“ konnte in Annaberg-Buchholz spielen. Mitte des Jahres 2010 wurde der Club „Gleis 3“ schließlich geschlossen.

Flyer für NS-Black-Metal-Konzert

Flyer für NS-Black-Metal-Konzert

Kürzlich trat der Veranstalter des „Fireblade Force“-Festivals wieder in Erscheinung. „Nach längerer Schaffenspause“ gebe es „endlich mal wieder Leichenzug Live“, auch die Bands „Besatt“ und „Altum Atramentum“ würden bei dem Konzert, das Anfang Juni in „Mitteldeutschland“ stattfinden soll, auftreten.

Advertisements
17
Mai
13

Von Neonazis organisiertes „Goatpenis“-Konzert in den Niederlanden verhindert

Kommenden Sonntag soll die brasilianische Black Metal Band „Goatpenis“ beim „Deatkult Open Air“ in Göllnitz/ Thüringen neben anderen rechtslastigen Bands auftreten. Gestern spielten „Goatpenis“ im Rahmen ihrer Europa-Tour im „Gasolina Club“ in Waregem/ Belgien. Heute Freitag sollten sie in Gouda/ Niederlande auftreten – dieses Konzert gemeinsam mit der niederländischen Band „Botulistum“ konnte jedoch kurzfristig durch antifaschistische Proteste verhindert werden. Die ClubbetreiberInnen sagten die Veranstaltung ab, weil man „Rassismus und/ oder Diskriminierung“ nicht toleriere. „Goatpenis“ zählen ein Lied mit dem Titel „Zyklon B“ zu ihrem Repertoire, das offenbar ein Loblied auf den Holocaust darstellen soll. In mehreren Live-Videos ist ein Bandmitglied mit einem T-Shirt der Neonazi-Band „Der Stürmer“ zu sehen, auf ihrer „Myspace“-Seite präsentiert die Band Fotos von ihren Fans bei Konzerten – darunter ein Bild, bei dem ein Fan mit Hitlergruß zu sehen ist. Darüber hinaus stehen „Goatpenis“ bei dem Neonazi-Label „Satanic Skinhead Propaganda“ unter Vertrag.

Einer der Veranstalter des Konzerts in Holland, das niederländische Label „New Era Productions“, ist nach der Absage sauer: Man habe erfolglos nach einer Ersatzlocation gesucht, nun droht man AntifaschistInnen mit Rache: „(…) Though some lessons are learned again from our side none to blame but the antifascists! We won’t forgive nor forget!

Flyer des abgesagten "Goatpenis"-Konzertes in Gouda

Flyer des abgesagten „Goatpenis“-Konzertes in Gouda

Schon im Jahr 2004 konnten bei einem von „New Era Productions“ in einem Jugendzentrum im niederländischen Bladel organisierten Konzert die Neonazi-Bands „Ad Hominem“ und „Seigneur Voland“ auftreten (http://afa.home.xs4all.nl/alert/engels/sl5_2004.html ). Das nunmehr abgesagte Konzert in Gouda wurde auch von dem Label „The Ritual Productions“ mitorganisiert. Dieses veröffentlichte im Jahr 2010 eine CD der belgischen NS-Black-Metal-Band „N.S.D.A.P. mit dem Titel „Execution of the weak“ (http://www.metal-archives.com/bands/N.S.D.A.P./3540302600).

13
Mai
13

„Deathkult“-Festival in Göllnitz – keine Sympathie mit Rechtsextremismus?

„Nein“ antwortet Stefan Kuhr, Veranstalter des für das kommende Wochenende angekündigten „Deathkult“-Black Metal Festivals, auf die Interview-Frage der „Ostthüringer Zeitung“, ob bei dem Konzert, das auf dem Gelände des Göllnitzer Getränkehändlers „ES Getränke“ stattfinden soll, rechtsextreme Bands auftreten werden. Manche der angekündigten Bands hätten sich in der Vergangenheit mit Provokationen vergriffen. Die Band „Stutthof“ habe eine rechte Vergangenheit, aber Wandlungen durchgemacht. Der Black Metal werde auch von Neonazis instrumentalisiert, er sei aber entschiedener Gegner davon. Der Verfassungsschutz habe bei keiner der auftretenden Bands einen rechtsextremen Hintergrund ausmachen können.

Mittlerweile gibt es auf den von der OTZ verfassten Artikel Reaktionen aus dem Umfeld des Deathkult-Festivals. So entspann sich etwa im Internetforum der rechtslastigen Szene-Seite „Sturmglanz“ folgender Dialog:

[Eintrag eines Users]: „Ich finde der (…) Artikel ist erstaunlich gut geschrieben, dafür dass der Autor mit Sicherheit keine Ahnung von der Thematik hat.

[Antwort von „JFN“ alias Hendrik Möbus, ehemaliges Mitglied der NS-Black-Metal Band „Absurd“, Produzent und Verkäufer von Tonträgern neonazistischer Bands, Veranstalter entsprechender Konzerte]: „Genau deshalb konnte man ihm ja auch was vom Pferd erzählen… andernfalls hätte er sicherlich mitbekommen, welcher Bär ihm da aufgeschnallt wird…

moebus sturmglanz

Selbst Möbus, Urgestein der braunen Black Metal-Szene in Deutschland, stellt also fest, dass Kuhr im Interview gelogen hat. Im Folgenden wollen wir noch einmal die wichtigsten Fakten zum Deathkult-Festival auf den Tisch legen:

  • Schon in der Vergangenheit veranstaltete Kuhr Konzerte mit rechtsextremen Bands, etwa der finnischen Band „Horna“, deren Frontmann sich mehrmals zum Nationalsozialismus bekannte.
  • Kuhr bekannte sich auf seiner Facebook-Seite offen zu neonazistischen Bands, die Band „Todfeind“ findet er etwa „ziemlich cool“. Unter seinen Facebook-„Gefällt mir“-Angaben finden sich der SS-Obersturmführer und Ariosoph Otto Rahn, der italienische Faschist, Antisemit und Rassentheoretiker Julius Evola und der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker Axel Stoll.

Stefan Kuhr Otto Rahn

  • Mitveranstalter des „Deathkult“-Festivals ist Sven Zimper, Mitglied der bekannten deutschen NS-Black Metal-Band „Absurd“. Zimper produziert und vertreibt über das Label „World Terror Committee Productions“ Musik von neonazistischen Musikgruppen. Mehrere der beim Deathkult auftretenden rechtsoffenen Bands („Paria“, „Chaos Invocation“, „Weltbrand“ und „Dies Ater“) stehen bei ihm unter Vertrag. Das Label „Darker than Black“ von Zimpers Bandkollege Ronald Möbus, der als Sänger bei „Absurd“ aktiv ist, spricht eine deutliche Empfehlung für das „Deathkult“-Festival aus: „When it comes to Black Metal-festivals in Thuringia, then Deathkult is the place to be anyway.“

darker than black

  • Die griechische Band „Stutthof“ wechselte lediglich ihren Namen. Die braune Ausrichtung ist geblieben. So meint die Gruppe in einem Interview mit dem „Sturmglanz“-Magazin im Jahr 2012, dass sich die Band-Philosophie mit dem Namenswechsel nicht geändert habe. Auch bereue man keineswegs die Aussagen, die man in der Vergangenheit getätigt habe (http://sturmglanz.de/bands132.php).
  • Die brasilianische Band „Goatpenis“ sympathisiert ebenso mit dem Nationalsozialismus. In mehreren „Youtube“-Videos ist ein Bandmitglied mit einem T-Shirt der griechischen Neonazi-Band „Der Stürmer“ zu sehen. Die Gruppe steht bei dem einschlägigen Label „Satanic Skinhead Propaganda“ unter Vertrag. Selbiges veröffentlichte im Jahr 2006 etwa einen Sampler mit dem Titel „Declaration of Anti-Semetic (sic) Terror“, auf dem sich zahlreiche NS-Bands finden. Eine davon ist „Nyogthaeblisz“, mit der „Goatpenis“ im Jahr 2012 eine gemeinsame CD veröffentlichten. Auf ihrer Myspace-Seite veröffentlichten „Goatpenis“ ein Konzertfoto, auf dem ein Fan mit Hitlergruß zu sehen ist.

goatpenis t-shirt

Screenshot Goatpenis Myspace

06
Mai
13

In zwei Wochen soll im thüringischen Göllnitz das „Deathkult Open Air“ mit zahlreichen rechten Bands des Genres stattfinden. Wir berichteten kürzlich darüber. Nun hat sich dankenswerter Weise auch die Ostthüringer Zeitung dem Thema angenommen und fördert einige überraschende und weniger überraschende Informationen zu Tage. Wenig überraschend ist, dass der Veranstalter, Stefan Kuhr, jegliche rechtsextreme Ideologie der Bands leugnet – dies ist mittlerweile beinahe schon die Standard-Reaktion von Veranstaltern rechter und rechtsextremer Konzerte im Black Metal. Er selbst sei „entschiedener Gegner“ von Neonazis. Da stellt sich uns natürlich die Frage, wie sich diese fromme Einstellung etwa damit vereinbaren lässt, dass sich Kuhr selbst als Fan der Neonazi-Band „Todfeind“ präsentierte und er gemeinsam mit Sven Zimper, dem Schlagzeuger der bekannten Neonazi-Band „Absurd“ sowie Produzenten und Vertreiber brauner Musik, das „Deathkult“ veranstaltet?!?

Screenshot von der Facebook-Seite des Deathkult Open Air-Veranstalters

„Ziemlich cool“ findet „Deathkult Open Air“-Veranstalter Stefan Kuhr, der natürlich „entschiedener Gegner“ von Neonazis ist, die Neonazi-Band „Todfeind“

Wie erwähnt stehen mehrere der Bands, die in Göllnitz auftreten sollen, bei Zimper unter Vertrag. Überraschend ist, wie eine eindeutige Neonazi-Band wie „Stutthof“, die lediglich ihren Namen (zu „Acherontas“) geändert hat kein Problem für den sonst so „bemühten“ thüringischen Verfassungsschutz darstellen kann. Was ist mit der Band „Goatpenis“, die etwa mit ihrem Lied „Zyklon B“ dem Holocaust huldigt und deren Bandmitglied sich mit einem T-Shirt der Gruppe „Der Stürmer“ bei einem Konzert präsentierte? Was ist mit den weiteren Bands, die enge Kontakte in die rechtsextreme und neonazistische Szene haben? Wieder mal alles kein Problem für die Herren (wohl angebracht) vom thüringischen Verfassungsschutz – und ebenso wenig für den Göllnitzer Bürgermeister, Herrn Hans-Jürgen Heitsch und den Getränkehändler, auf dessen Firmengelände das rechte Stelldichein über die Bühne gehen soll?