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„Deathkult Open Air“ mit rechtslastigen Bands

Mitte Mai soll in der thüringischen 331-EinwohnerInnen-Gemeinde Göllnitz zum dritten Mal das „Deathkult Open Air“ stattfinden. Veranstalter des seit 2011 alljährlich durchgeführten (Black-)Metal-Festivals, das auf dem Gelände eines Getränkehändlers in Göllnitz/ Thüringen abgehalten werden soll, ist der aus Nürnberg stammende Student Stefan Kuhr alias „Steve Attakker“, der unter dem Namen „Metalkommand Concerts“ schon in der Vergangenheit Konzerte rechter Black Metal Bands organisierte. 2012 ließ er sich etwa bei der Organisation einer Tour von „Horna“ und „Tortorum“ (1) von einem altgedienten Mitglied der deutschen NS-Black Metal Szene unter die Arme greifen: Sven Zimper alias „W.T.C. Productions“, Schlagzeuger der bekannten Neonazi-Band „Absurd“. Auch beim „Deathkult Open Air“ 2013 tritt „W.T.C. Productions“ als „Partner“ auf – schließlich haben zahlreiche Bands, die in Göllnitz spielen sollen, bei ihm Tonträger produziert und sind dem rechten Rand der Szene zuzurechnen oder dürften zumindest keine Probleme mit rechtsextremer Ideologie haben. Schon im Jahr 2012 standen mit „Horna“, „Inquisition“ und „Eternity“ bereits rechte Bands auf dem Programm des „Deathkult“-Festivals. Kuhr selbst dürfte ebenso Sympathien für braunen Black Metal haben.

Screenshot von der Facebook-Seite des Deathkult Open Air-VeranstaltersAuf seiner „Facebook“-Seite verlinkt er Videos von neonazistischen Gruppen wie „Absurd“ und „Todfeind“ – letztere Band findet Kuhr etwa „ziemlich cool“.

In diesem Jahr sollen u.a. folgende Bands in Göllnitz auftreten:
Die als „unpolitisch“ geltende, bekannte Black Metal Band „Marduk“, die schon Ende der 1990er Jahre durch Nazi-Symbolik und immigrationsfeindliche Statements auffiel (2), verfügt über enge Kontakte zur französischen NS-Black Metal Gruppe „Ad Hominem“, die durch Lieder wie „Auschwitz rules“ bekannt wurde. Im Frühjahr 2010 befanden sich die beiden Bands gemeinsam auf Tour in Brasilien, mindestens fünf Auftritte dürften stattgefunden haben (3). „Marduk“-Schlagzeuger Lars Broddesson und der Frontmann von „Ad Hominem“, „Kaiser Wodhanaz“, veröffentlichten 2012 mit ihrer gemeinsamen Band „The Ascendant“ eine CD (4). Der dritte im Bunde bei dieser Band ist Daniel Abrahamsson, der in der Vergangenheit u.a. bei der Neonazi-Band „Blut“ spielte (5).

Die griechische NSBM-Band „Acherontas“ nannte sich von 1997 bis zum Jahr 2007 „Stutthof“ – nach dem gleichnamigen Konzentrationslager in Polen. In einem Interview erklärte ein Mitglied von „Stutthof“ im Jahr 2006 – kurz vor der Umbenennung – den Namen der Gruppe: Gefragt, ob dieser eine Verbindung zum Zweiten Weltkrieg habe, antwortete er: „Du hast Recht! Es war der Spielplatz für die Juden“, um im selben Atemzug die NS-Affinität der Band zu leugnen und schließlich mit NS-Vokabular zu enden: „Wir sind keine NS Band und wir beschäftigen uns auch nicht mit Politik in meiner Band. Wir haben den Namen nur aus einem Grund gewählt: Keine Sympathie für all diese Untermenschen.” (6)

Im Jahr 2011 wurden „Acherontas“ in einem Interview auf den Jahre zurückliegenden Namenswechsel angesprochen und gefragt, ob dies etwas mit der Assoziierung „Stutthofs“ mit der NSBM-Szene zu tun gehabt habe. In der Antwort des Bandmitglieds wird deutlich, dass die Gruppe trotz einiger personeller Umbesetzungen ab 2007 ihrer Rolle als Teil des rechtsextremen Bodensatzes innerhalb der Metal-Szene treu geblieben ist: „(…) Die Vergangenheit ist vorbei aber nicht vergessen oder dass es einem peinlich wäre, in keiner Weise.“ Wieder wird die ideologische Orientierung geleugnet: „Stutthof war nie Teil einer ‚Szene‘ (…)“ (7). Dass sich die Band keineswegs von ihrer braunen Vergangenheit verabschiedet hat, wird auch bei der Betrachtung der Labels, die die Tonträger der sich nun rechts-esoterisch präsentierenden „Acherontas“ produzieren, deutlich. Mehrere Veröffentlichungen erschienen bei den Neonazi-Labels „Zyklon B-Productions“, „Darker Than Black Records“ und „W.T.C. Productions“ (8).

Der Schlagzeuger der im Jahr 2010 gegründeten Gruppe „Tortorum“ spielte zuvor in zahlreichen neonazistischen Bands wie „Thunderbolt“, „Veles“ und „Swastyka“ (9). Derweil sorgt „Barghest“, derzeitiger Bassist und Sänger von Tortorum, gleichzeitig für Bass und Gesang der Band „Spearhead“ (10). In Interviews benennt „Barghest“ die Werke des antisemitischen und pro-faschistischen Schriftstellers Julius Evola als persönliche Inspirationsquellen (11). In weiteren Interviews gibt er auf die Frage, wodurch die Texte von „Spearhead“ inspiriert werden, Evola als Referenz an (12). Außerdem waren Spearhead im Jahr 2006 für eine Europa-Tour gemeinsam mit der US-amerikanischen NSBM-Band „Grand Belial’s Key“ angekündigt (13).

Der Frontmann der Band (bzw. des Soloprojekts) „Baptism“, „Lord Sargofagian“, wirkt auch als Schlagzeuger der NS-Black Metal-Band „Satanic Warmaster“, weiters ist er auch bei der rechten Gruppe „Horna“ und bei den neonazistischen Black Metal-Projekten „Trotzreich“ und „Ymir“ aktiv (14). „Trotzreich“ verwenden in ihrem Band-Logo u.a. ein Hakenkreuz und SS-Runen (15). Der Bandkollege von „Lord Sargofagian“ bei „Trotzreich“ trägt das Hakenkreuz auch als Tätowierung am Oberarm.

goatpenis der stürmer

Youtube-Video von „Goatpenis“

Abgesehen von den bereits erwähnten Bands verfügen noch einige weitere über Verbindungen zu einschlägigen Labels: Die CD „Black Mirror Hours“ der deutschen Band „Chaos Invocation“ wurde etwa ebenfalls bei „W.T.C. Productions“ von Sven Zimper veröffentlicht (16). In der Vergangenheit spielte „Death Kult Open Air“-Veranstalter Stefan Kuhr unter dem Namen „SMD“ als Bassist bei der Band (17). Auch die niederländische Band „Weltbrand“ veröffentlichte – ihr letztes Album – bei „W.T.C. Productions“. Zuvor hatte man eine Split-CD gemeinsam mit der Band „Suicide Sulution“ bei dem rechten Label „Obscure Abhorrence“ produziert (18). Bei diesem erschienen auch die CDs „VerminRace“ von „Paria“ (19) und „Hunger for Life“ von „Dies Ater“ (20). Eine weitere Veröffentlichung von „Paria“ gab es 2007 – und mit einem Reichsadler auf dem Cover – bei dem Neonazi-Label „Blutvergießen“ (21). In einem Interview, das „Dies Ater“ der zugehörigen Zeitschrift „Blutvergießen“ gaben, drohten Mitglieder der Band, dass „Abschaum“ wie „Techno-Affen und kriminelles Pack zur Not geräumt wird, wenn sie meinen, frech zu werden.“ Das Interview beendete die Band mit dem Gruß: „Heil an unsere Freunde aus dem Reich.“ In einem CD-Beiheft grüßte die Band das Neonazi-Label „Darker Than Black Records“ und auch die NS-Black-Metal-Band „Totenburg“. Darüber hinaus wird in einem Black-Metal-Magazin berichtet, wie „Dies Ater“ eine Coverversion des Songs “Jew Clan” der rechten Band „Vilkates“ mit antisemitischen Äußerungen ankündigten (22). Zwei Mitglieder von „Dies Ater“ spielen zusammen mit Sven Zimper, Mitglied der bekannten deutschen Neonazi-Band „Absurd“, in der Band „Cryogenic“ (23).
Zahlreiche CDs der Band „Goatpenis“ wurden bei dem Neonazi-Label „Satanic Skinhead Propaganda“ veröffentlicht. Ein Album aus dem Jahr 2002 trägt den Titel „Trotz Verbot nicht tot“ – dieser Slogan stammt vom – schließlich zum NS-Propagandaminister ernannten – Nationalsozialisten Josef Goebbels. In ihrem Lied „Zyklon B“, das auf mehreren Alben zu finden ist, huldigen „Goatmoon“ dem Holocaust (24). Ein auf „Youtube“ abrufbares Video von „Goatpenis“ zeigt den Bandgitarristen mit einem T-Shirt der griechischen NS-Black Metal-Band „Der Stürmer“.

Die Band „Nachtmystium“ muss sich zumindest vorwerfen lassen, Abgrenzungsprobleme gegenüber dem rechten Bodensatz der Metal-Szene zu haben (25).

1. https://fightfascism.wordpress.com/2012/09/05/rechtsextreme-black-metal-band-horna-auf-europa-tour/
2. http://en.wikipedia.org/wiki/National_Socialist_black_metal
3. http://www.myspace.com/tumbaprod/blog/521609398
4. http://www.metal-archives.com/bands/The_Ascendant/3540343851#band_tab_members
5. http://www.metal-archives.com/artists/Contagion/125753
6. http://franang.sts.free.fr/e-zine/interviews/Stuttholf/stutthof.htm
7. http://metalobscur.com/tag/acherontas/
8. http://www.metal-archives.com/bands/Acherontas/112532
9. http://www.metal-archives.com/bands/Tortorum/3540345511#band_tab_members
10. http://www.metal-archives.com/artists/Barghest/26451
11. http://maliciousintent666.blogspot.de/2011/07/interview-with-barghest-of-spearhead.html
12. http://www.metalpsalter.com/interview_spearhead_g11.html
13. http://www.metalunderground.com/news/details.cfm?newsid=17732
14. http://www.metal-archives.com/bands/Baptism/4571
15. http://www.metal-archives.com/bands/Trotzreich/22170
16. http://www.metal-archives.com/bands/Chaos_Invocation/3540292309
17. http://www.metal-archives.com/bands/Chaos_Invocation/3540292309#band_tab_members_past
18. http://www.metal-archives.com/bands/Weltbrand/23117
19. http://www.metal-archives.com/albums/Paria/VerminRace/202478
20. http://www.metal-archives.com/albums/Dies_Ater/Hunger_for_Life/348558
21. http://www.metal-archives.com/albums/Paria/11_Years_of_Blood%2C_Cum_%26_Satan/160764
22. http://www.turnitdown.de/526.html
23.http://www.metal-archives.com/bands/Cryogenic/11045
24. http://www.metal-archives.com/bands/Goatpenis/11013
25. http://laermstoerung.blogsport.de/2011/02/25/nachtmystium-apolitische-toleranz-fuer-nazis


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