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Rechtsextreme Black-Metal-Band „Horna“ auf Europa-Tour

Im September des Jahres befindet sich die rechtsextreme finnische Black Metal-Band „Horna“ wieder auf Europa-Tournee. Die Konzertreise soll diesmal u.a. durch Deutschland, Belgien, Frankreich und Slowenien führen. „Horna“ zählen zum extrem rechten Rand der Black Metal-Subkultur. Frontmann Ville Pystynen alias „Shatraug“ bekannte sich in der Vergangenheit zur nationalsozialistischen Ideologie, grüßte mit rechtsextremen Codes, spielt(e) in in verschiedenen neonazistischen Musikgruppen und vertreibt/ produziert über sein Label „Grievantee Productions“ einschlägige Tonträger. Im Jahr 2010 wurden nach antifaschistischen Protesten mehrere Auftritte von „Horna“ im deutschsprachigen Raum abgesagt.

Die aktuelle Tour wird von „W.T.C. Productions“, dem Label des Schlagzeugers der NS-Black Metal-Band „Absurd“, Sven Zimper und „MetalKommand Concerts“ organisiert. „W.T.C.“ ist das Label der auftretenden Bands „Horna“ sowie „Tortorum“. Der Schlagzeuger der im Jahr 2010 gegründeten Gruppe „Tortorum“ spielte zuvor in zahlreichen neonazistischen Bands wie „Thunderbolt“, „Veles“ und „Swastyka“. Auftritte der Bands sollen u.a. im „Slaughterhouse“ Berlin, „From Hell“ Erfurt, „Helvete“ Oberhausen (D), „Zaal Dizie“ Roeselare (Belgien), „Floride“ Nantes (F), Glazart“ Paris, „Carlitos Way“ Retorbido (Italien), „Novo Gorica“ Mostovna (Slowenien), „VFRR Clubhaus“ Großerlach (D) und „Matrix“ in Prag stattfinden.


3 Responses to “Rechtsextreme Black-Metal-Band „Horna“ auf Europa-Tour”


  1. Oktober 30, 2012 um 11:00 pm

    Ein Nachbereitungstext zu den Vorgängen um das verhinderte Konzert NS-affiner Bands in den Räumen des Slaughterhouse e.V. in Moabit.

    Am 20. September 2012 sollte die finnische Black Metal Band „Horna“ mit Unterstützung der Bands „Tortorum“ und „Blacklodge“ in den Räumen des „Slaughterhouse e.V.“ unter dem Dach der Kulturfabrik Moabit aufspielen.

    Auf den ersten Blick ist daran nichts ungewöhnliches festzustellen, schließlich finden in dem sich als „multikulturell“ verstehenden Veranstaltungsraum regelmäßig Konzerte verschiedenster Genres statt. Von Ska über Hiphop, bis hin zu besagtem Black Metal. Doch die geplante Veranstaltung fiel Antifaschist_innen unangenehm auf, denn die Europatour der Band Horna, in deren Rahmen das geplante Konzert stattfinden sollte, wurde vom Label „World Terror Commitee Productions“ organisiert. Bei W.T.C. Productions handelt es sich um das Label des Neonazis Sven Zimper, Mitglied der berüchtigten thüringischen „National Socialist Black Metal“ (NSBM) Band „Absurd“, die unter den neonazistischen Anhänger_innen des Black Metal Kultstatus genießt. Weitere Recherchen ergaben, dass auch die angekündigten Bands, insbesondere der Headliner des Abends Horna, unübersehbare Schnittmengen ins neonazistische Lager aufweisen.

    Auf Anfrage der antifaschistischen Plattform „Auf die Pelle rücken“, zeigte sich das verantwortliche Slaughterhouse e.V. sowie das personell angegliederte Label „Apocalyptic Visions of Death“ durch die aufgezeigten Recherchen zunächst wenig alarmiert. Während des weiteren Informationsaustauschs offenbarte sich ferner in eindrucksvoll-naiver weise, wie das Chiffre „unpolitisch“ mittlerweile als Substitut für „rechts“ oder „neonazistisch“ in kulturellen Sphären Einzug hält.

    Auf neonazistische Verstrickungen der „Künstler_innen“ angesprochen, wiederholten die Veranstalter_innen beinahe schon reflexhaft, dass die angekündigten Bands versichert hätten, keine politischen Ziele zu verfolgen und daß man das Konzert bei strafbaren Inhalten sofort abbrechen würde. Dabei verpasste man jedoch grandios, sich mit der kulturpolitischen Verantwortlichkeit der eigenen Veranstalter-Rolle und den Gefahren auseinanderzusetzen, die entstehen, wenn tief-braunen Akteuren in vermeintlich antirassistischen Kulturprojekten Raum geboten wird. Der relativierende Duktus, der an den Tag gelegt wurde, als es um die NS-Verstrickungen „ihrer“ Künstler_innen ging, tat sein übriges, so daß man sich unter dem Paradigma des „unpolitischen“ nicht zur Absage der Veranstaltung durchringen konnte.

    Doch wie kann ein Konzert „unpolitisch“ sein, wenn schon der Kopf des Headliners, Ville Pystynen, offenkundig auf seinem Recordlabel NSBM-Bands wie „Aryan Blood“, „Endlösung“ und „Holocaustus“ produziert und vermarktet? Zu allem Überfluss machte Pystynen selbst in diversen Interviews keinen Hehl aus seinem eigenen Rassismus und seiner Affinität zum Nationalsozialismus. So erscheint es nur folgerichtig, dass er sich, wenn er nicht grade für das „unpolitischen“ Bandprojekt Horna auf der Bühne steht, am NSBM-Projekt „Finnentum“, ehemals „Blutschrei“ beteiligt. Neben Pystynen und weiteren ehemaligen Horna-Bandmitlgiedern sind hier Musiker_innen der berüchtigten NSBM-Bands „Sombre Chemin“ und „Hammer“ involviert.

    Und als wenn diese Verstrickungen noch nicht nicht gereicht hätten, um von dem Konzert Abstand zu nehmen, nahmen die Veranstalter_innen genauso ungerührt zur Kenntnis, dass der Schlagzeuger ebenfalls angekündigten Band Tortorum auf ein mehrjähriges Engagement in NSBM-Projekten wie „Thunderbolt“, „Veles“ und „Swastyka“ zurückblickt.

    Nachdem uns schließlich zwei Tage vor der geplanten Veranstaltung kurz und knapp mitgeteilt wurde, dass man das Konzert ungeachtet der Kritik trotzdem durchführen wollte, entschieden wir uns, den Fall öffentlich zu machen.

    Das von den Veranstalter_innen vorgetragene Schema des Ignorierens, Leugnens und Verharmlosens problematischer Schnittmengen nach rechts, flankiert vom reflexartigen proklamieren eines legalen Rahmens, stellen für uns keinen Ausnahmefall dar. Vielmehr scheint dies eine zeitgenössische Haltung zahlreicher Konzertlokalitäten und kulturpolitisch Engagierter zu sein. Durch das Labeln einer rechten Veranstaltung als „unpolitisch“, versuchen die Verantwortlichen einer kritischen Auseinandersetzung um Bands, Songtexte und personelle Überschneidungen zu entgehen. Politische Handlungen, wie z.B. Pystynens Vermarktung von NSBM-Bands auf seinem eigenen Recordlabel, werden als „wirtschaftliche“ oder „private“ Handlungen relativiert. Damit wird rechten Akteur_innen in schier vorauseilendem Gehorsam jedwede politische Handlung abgesprochen, möglicherweise auch aus altruistischen Motiven, sofern die eigene Lieblingsband oder Freundschaften davon betroffen sind. Und selbstverständlich dürften hier auch ökonomische Kalküle eine Rolle spielen, schließlich handelt es sich auch bei NSBM-Fans um ein potentiell zahlungskräftiges Publikum.

    Umso erfreulicher war die Solidarität, welche die Kritik am geplanten Konzert aus vielen Richtungen erfuhr. So distanzierten sich der Vorstand der Kulturfabrik und das ebenfalls im Haus ansässige Kino „Filmrausch e.V.“ umgehend von der geplanten Veranstaltung. Letztere unterbrachen das laufende Kino-Programm und organisierten einen antifaschistischen Filmabend. Auch in der Presse folgten solidarische Reaktionen.

    Leider bedurfte es erst dieses wachsenden öffentlichen Drucks, um die Veranstalter_innen zum Einlenken zu bewegen. Doch anstatt die eigene Positionierung selbstkritisch zu reflektieren, übte man sich einen Tag vor dem mittlerweile abgesagten Konzert in Schadensbegrenzung. Obwohl die Hintergründe zu Bookingagentur und Bandmitglieder von Anfang an transparent und nachvollziehbar kommuniziert wurden, gab man an, erst jetzt von Verstrickungen erfahren zu haben. Dass im Anschluss auf der Facebook-Seite des NSBM-Magazins „Ablaze“ und auf dem Profil des Veranstalters „Apocalyptic Visions Of Death“ in klassisch-rechter Manier gegen „die Antifa“ gehetzt wurde, schien die Befürchtungen eines anti-antifaschistischen Konzertpublikums zu bestätigen.

    Was hier als lokales Beispiel gelten kann, hat seine Wirkmächtigkeit schon längst im internationalen Rahmen entfaltet: die Entpolitisierung rechter Tendenzen in Subkulturen ist längst kein Einzelfall mehr. Umso wichtiger erscheint es uns, auch zukünftig genauer hinzusehen, was in vermeintlich „linken“, „antirassistischen“ Szenen und Lokalitäten vor sich geht. Wir hoffen, dass solche konkreten Interventionen, wie beim Slaughterhouse e.V. dazu führen, die Debatte um sogenannte „Grauzonen“ in Subkulturen weiter anzufachen.

    Auf die Pelle rücken! – Antifaschistische Infos aus Wedding und Moabit


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