Archiv für August 2012

28
Aug
12

Castle Invasion Festival (Österreich) – Frontmänner der Bands „Nargaroth“ und „Moredhel“ verbrennen Antifa-Flagge

Breite antifaschistische Kritik am in Mining (Oberösterreich) stattgefundenen „Castle Invasion Festival“, das zum (behördlichen) Auftrittsverbot für vier Bands („Eternity“, „Moredhel“, „Selbstentleibung“, „Nargaroth“) führte, sorgte u.a. im rechten Flügel der Black Metal-Szene für helle Aufregung. Drei der ausgeladenen Bands meldeten sich mit Statements zu Wort, in denen sie – wie üblich – alle Vorwürfe kategorisch abstritten. Der Frontmann von „Nargaroth“, Rene Wagner alias „Ash“, schwadroniert in einem auf der Homepage der rechtsextremen Szene-Postille „A-Blaze“ veröffentlichten Text von „einem willkürlich wirkenden, dogmatisch-inquisitorischen Linksfaschismus, der nicht die von ihm bekämpfte Ideologie, sondern nur die Farben und Banner ausgetauscht“ habe. „Marrok Tyrannus“ von der österreichischen Gruppe „Selbstentleibung“ bestreitet im Video-Interview jegliche Verbindungen zur rechten Szene. „Nevcairion“, der Frontmann der deutschen Band „Moredhel“, reagierte auf der „Facebook“-Seite seiner Band am emotionalsten auf die Absage, deren „Grundlage“ er in einer „anonyme[n] ‚Warnung‘ aus dem linksextremistsischen Stalinistisch-antifaschistischen Milieu [Fehler im Original]“ sieht. Belege für Verbindungen der Band zum Rechtsextremismus werden als „nicht belegbare Aussagen nicht bekannter Dritter in beliebigen Internetforen […]“ bezeichnet. Der Bürgermeister von Mining, der den Auftritt von „Moredhel“ und der anderen Gruppen nicht zuließ, habe dadurch den „roten Faschisten […] Macht über sein Dörfchen gegeben“. Nichtsdestotrotz freut sich „Nevcairion“ über „die kostenlose Werbung und die Aufmerksamkeit, welche eine Flut von Tonträger, T-Shirt, Poster und Aufnäher Bestellungen nach sich“ gezogen habe. Die Absage des Konzerts wurde auch im Forum des rechtsextremen Labels „Christhunt Productions“ ausführlich diskutiert. Der Neonazi und ehemalige Schlagzeuger der NS-Black Metal-Band „Absurd“, Hendrik Möbus, rügte etwa den Festival-Veranstalter (Daniel E.): „Ja, als Veranstalter sollte man schon genau wissen, WO man WELCHE Bands auftreten lassen kann. Und da in der Ostmark scheint ja so gut wie nix zu gehen, wenn das Kartell aus ‚Antifa‘, Parteien und Medien es nicht will.“ Ein anderer rechter Konzertveranstalter teilt die Kritik: „das problem nebenher in der Ostmark ist, dass bis auf ein paar Ausnahmen niemand wirklich nen arsch in der hose hat, sich gegen das Kartell aus Christen un[d] Kommunisten/Grünen durchzusetzen. [Fehler im Original]“

Die bereits erwähnten Frontmänner von „Nargaroth“ und „Moredhel“ waren trotz der Absage ihrer Auftritte beim „Castle Invasion Festival“ anwesend und versuchten auch dort, ein Zeichen gegen die ihrer Meinung ungerechtfertigte Kritik zu setzen. Nach dem Auftritt eines Hauptacts erkletterten die beiden die Festivalbühne, gaben ein kurzes Statement ab und verbrannten dann offenbar eine Antifa-Flagge.


Das Bild zeigt laut Einträgen im rechten „Christhunt“-Forum auf der linken Seite (mit ausgestrecktem Mittelfinger) „Nargaroth“-Frontmann Rene Wagner und mittig den Frontmann von „Moredhel“ mit dem Pseudonym „Nevcairion“ beim Verbrennen einer „Antifa“-Flagge

Hendrik Möbus zeigt sich darüber im „Christhunt“-Forum zufrieden und schlägt das Verbrennen einer Israel-Flagge vor: „(…) gute Sache. Aber beim nächsten Mal bitte gleich eine Fahne mit diesem sechszackigen Stern drauf.“ Für Dennis Schoner von der NS-Black Metal-Band „Totenburg“ ist das Verbrennen der Flagge hingegen zu wenig, er schlägt Gewalt gegen antifaschistische Jugendliche vor: „Völlig Panne die Aktion..Fahnen können sich nicht wehren! Ne Top Aktion hätte es sein können, wenn Nevi, Kani und der Rest zum örtlichen Autonomen Jugendzentrum um die Ecke gefahren wären und um dort die Antifanten ordentlich ab naschen lassen.“

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10
Aug
12

Hendrik Möbus – Neonazi-Konzert im „Lidový dům“ (Tschechien)

Der 36jährige Berliner Hendrik Möbus ist einer der aktivsten Konzertveranstalter innerhalb des neonazistischen Flügels der europäischen Black Metal-Szene. Zahlreiche Größen des NS-Black Metals konnten bei seinen gemeinsam mit seinem Mitarbeiter „Vidar Veratyr“ organisierten Szeneevents in den letzten Jahren auftreten. Hendrik Möbus mit HundDie Auftritte fanden in einschlägigen Clubs in Deutschland und in Tschechien statt. Hinter dem Pseudonym „Vidar Veratyr“ verbirgt sich vermutlich Christian Schöndorfer, der Möbus bei der Organisation der Konzerte über die Agentur „Totentanz Konzerte„, bei der Produktion von braunen CD-Veröffentlichungen über das Label „Darker Than Black“ und beim Vertrieb einschlägiger Tonträger über den Versand „Merchant of Death“ (mit Sitz in Berlin) unterstützt. 2009 beschlagnahmte die Polizei im Rahmen von Hausdurchsuchungen beim „Todeshändler“ und seinem Mitarbeiter etwa 12.000 Tonträger rechtsextremer Bands.

 "Vidar Veratyr" zeigt gerne Stärke

Auch aktuell – und diesmal keineswegs konspirativ – wird (etwa auf Facebook) ein Konzert mit mehreren NS-Black Metal-Bands beworben. Dieses soll unter dem Motto „Dawn of a new era“ am 29. September im Music Club „Lidový dům Kbely“ in Zatec stattfinden. Möbus ist sich offenbar sicher, dass die tschechischen Behörden, die in der Vergangenheit bei ähnlichen Veranstaltungen beide Augen zudrückten, auch diesmal wieder passiv sein werden. Auf dem Programm stehen die Bands „Selbstmord“, „Permafrost“, „Feuernacht“ und „Dark Earth“.

Der Headliner des im September in Tschechien stattfindenden Konzert-Abends, die polnische NS-Black Metal-Band „Selbstmord“, ist seit 1998 aktiv. Schon auf dem ersten Demo-Tonträger der Band finden sich antisemitische-weltverschwörerische Texte, wie etwa im Lied „The Sign of Lie“: „Fucking churches, Fucking jews, Fucking clergy, Fucking z.o.g. (…)“. In dem Lied „The Forerunner of New Chaos“ der 2002 veröffentlichten CD „Spectre of Hate“ fantasieren „Selbstmord“ von einem „heiligen Rassenkrieg“ des „Ariers“: „In a place where there is no god of semits, Our victorious ideas are blooming The cross of the brave spangled banners are all around Hands risen towards the sun The holy race – war In the Honour of our White race Hatred to the enemies, native pride Aryan blood runs all the time The victory is in our hands The power and the strenght of our minds kills the numb swines Our path is marked with the sign of the sun Path to the Aryan realm The throne of the invincible“.

2008, nach einer längeren „Schaffenspause“, veröffentlichten „Selbstmord“ eine Split-CD gemeinsam mit der ebenfalls aus Polen stammenden NS-Black Metal-Band „Antisemitex“. Ein 2010 veröffentlichter „Selbstmord“-Tonträger trägt den Titel „Aryan Voice of Hatred

Die deutsche NS-Black Metal-Band „Permafrost“ rund um Sänger „Porcus“ alias Benjamin Schneider, der auch bei der Gruppe „Askeregn“ (zumindest zeitweiliges) Mitglied ist und in Zeitz ein eigenes Plattenlabel betreibt („SFH Records“), zeigt sich ebenso stramm nationalsozialistisch: „Porcus“ verehrt Adolf Hitler und verwendet als Facebook-Titelbild seines Labels eine brennende jüdische Synagoge.

Facebook-Seite SFH Records / Permafrost

Die NS-Black Metal-Band „Feuernacht“ trat erst 2012 durch die Veröffentlichung einer CD bei dem Neonazi-Label „O.P.O.S. Records“ von Sebastian Raack in Erscheinung. Auf der Veröffentlichung der „Propagandamaschine aus der Ostmark“ (Werbetext des Labels) finden sich Lieder wie „Kampf Macht Frei!“ oder eine Coverversion eines Liedes der Neonazi-Band „Hassgesang“. An der angeblich aus Tirol stammenden Gruppe sollen demnach „Musiker diverser bekannter Hardcore Bands“ mitwirken.

Die tschechische Band „Dark Earth“ dürfte ihren Konzertkollegen in Sachen brauner Gesinnung in nichts nachstehen. Erst vor wenigen Monaten, am 20. April 2012 (dem Geburtstag Adolf Hitlers), spielte die Band gemeinsam mit den NS-Black Metal-Bands „Dark Fury“, „Bloodsworn“ („Der Stürmer“) und „Goatmoon“ im „Lidový dům“. Auch dieses Konzert wurde von Hendrik Möbus veranstaltet – und von der neonazistischen „Pagan Front“ beworben. Im Juni standen „Dark Earth“ auf dem Programm des rechtslastigen tschechischen Black Metal-Festivals „Hell Fast Attack“, das in Brno stattfand.

Folgende Konzerte können Möbus und Schöndorfer zugerechnet werden:

20.4.2012: „Upon Bohemian Battlefields“: „Dark Fury“ (PL), „Bloodsworn“ („Der Stürmer“) (GRE), „Dark Earth“ (CZ) und „Goatmoon“ (FIN) im Musicclub „Lidový dům“, Zatec (Tschechien) (zwei weitere Konzerte in den darauffolgenden Tagen, vermutlich in Deutschland)

3.3.2012: „Dark Storm Over Germania – Jubiläum – 3 Jahre Geheege!“: „Infernal War“ (PL), „Racial Purity“ (D), „Waffenträger Luzifers“ (D)

4.2.2012: „To give Death and to receive Death Part I“: „Silva Nigra“ (CZ), „Decline“ (PL), „T.S.M.E.D.“ (PL), „T.H.O.R.“ (D), „Permafrost“ (D) im Gasthaus „Zur Deutschen Eiche“, Rothenburg/Geheege

29.10.2011: „The Dark Powers Return“: „Sekhmet“ (CZ), „Silva Nigra“ (CZ), „Mogon“ (D), „Sacha Korn“ (D), im Gasthaus „Zur Deutschen Eiche“, Rothenburg

3.9.2011: „Slavonic Thunder in Germania“: „Racial Purity“ (D), „Dark Fury“ (PL), „Permafrost“ (D), „Nordglanz“ (D), „Mogon“ (D), im Gasthaus „Zur Deutschen Eiche“, Rothenburg

23.10.2010: „Dark Fury“ (PL), „Dark Earth“ (CZ), „Slunovrat“ (CZ), Lidový dům, Zatec

20.10.2010: „Descending from the Beyond“: „Acherontas“ („Stutthof“), „Huldrefolk“, „Infernal Kingdom“, Erlebnisscheune, Kirchheim

25.9.2010: „The Rise of Darkness“: „Inferno“, „Sekhmet“, „Koltum“, „Askeregn“, Erlebnisscheune, Kirchheim

13.3.2010: „Ignition of Inferno“: „Infernal War“, „Iperyt“, „Ignis Uranium“, Erlebnisscheune, Kirchheim (verhindert)

20.2.2010: „North“ und „Saltus“ (vom Veranstalter abgesagt)

30.1.2010: „Seizure of Power“: „The Call“, „Svarog“, „On Horns Impaled“, „Heldgard“, Erlebnisscheune, Kirchheim (verhindert)

19.12.2009: „Summoning the Grand Evil Spirit“: „Celestia“ (F), „Moredhel“ (D), „Dark Armageddon“ (D), Erlebnisscheune, Kirchheim im Ilmkreis, Thüringen

7.11.2009: „Sekhmet“ (CZ), „Goatmoon“ (FIN), „Sturmkaiser“ (ITA), Erlebnisscheune, Kirchheim im Ilmkreis, Thüringen

6.11.2009, „Sekhmet“, (CZ), „Goatmoon“ (FIN), „Sturmkaiser“ (ITA), Lidový dům, Zatec

23.5.2009: “Dead?”, “Menegroth”, „Eisenwinter“ und “Freitod”, vermutlich Sachsen

29.11.2008: „Frangar“ (F) und „Purest“, Kurgarten Prenzlau (verhindert)

Nach langer Absenz will sich in wenigen Monaten auch der Bruder von Hendrik Möbus, Ronald Möbus, mit seiner Band „Absurd“ wieder einmal in der Öffentlichkeit blicken lassen. Im Oktober sollen „Absurd“ sowie „Totenburg“ und die französische Gruppe „Frangar“ bei einem Konzert im italienischen Musikclub „Carlito’s Way“, in dem in jüngster Zeit zahlreiche braune Konzerte stattfanden, auf der Bühne stehen.