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Von Toten-Tänzen, Erlebnisscheunen und anderem braunen Mief

Update, 01. Februar 2010: Nach dem Misserfolg vom Wochenende versucht Hendrik Möbus nun bei zukünftigen Veranstaltungen in der Nazischeune in Kirchheim vorsichtiger vorzugehen: Für die beiden Konzerte im Februar und März – bei einem soll etwa die NS-Black Metal-Band „Infernal War“ auftreten (siehe Text unten) – kündigt er an, dass es sich um eine „geschlossene Veranstaltung für geladene Gäste“ handele. Wie sich eine geschlossene Veranstaltung mit einer für jeden zugänglichen öffentlichen Ankündigung bzw. Bewerbung auf zahlreichen Internetseiten und in ebensovielen Foren vereinbaren lässt, lässt Möbus offen.

Update, 31. Jänner 2010: Misserfolg für Hendrik Möbus: Der Auftritt von „Kaiser Wodhanaz“, Frontmann der Neonazi-Band „Ad Hominem“, der in Kirchheim unter dem Projektnamen „The Call“ erfolgen sollte, wurde von der Polizei durch kurzfristige Auflagen verhindert. Somit fiel der Headliner weg, übrig blieben  nur noch die deutschen Bands „Svarog“ und „Heldgard“.

Hendrik Möbus, der „Satansmörder von Sondershausen“ und ehemalige Schlagzeuger der NS-Black Metal-Band „Absurd“ hat gefunden, wonach er wohl lange gesucht hat: Einen Ort, an dem er regelmäßig und ungestört seine – ausschließlich für braunes Auditorium vorgesehenen – Black Metal-Konzerte veranstalten kann. Es handelt sich um die „Erlebnisscheune“ in der 59-EinwohnerInnen-Gemeinde Kirchheim im Ilm-Kreis, Thüringen. 2009 sollen dort zumindest zehn Neonazi-Veranstaltungen stattgefunden haben. Mindestens zwei davon führte Möbus – unter dem Pseudonym „Totentanz Konzerte“ – durch. Es handelte sich jeweils um Konzerte mit rechtsextremen Musikgruppen.

Am 7. November 2009 spielten die Gruppen „Sekhmet“, „Goatmoon“ und „Sturmkaiser“. Der Sänger der letztgenannten Band, die sich selbst als „unpolitisch“ definiert, trug bei dem Auftritt ein T-Shirt mit mehreren SS-Runen. Am 19. Dezember trat die französische Band „Celestia“ mit Unterstützung der deutschen Gruppen „Moredhel“ und „Dark Armageddon“ auf. Beide Konzerte konnten ohne Probleme über die Bühne gehen – für Möbus keine Selbstverständlichkeit. Das vermutlich erste – nach seiner Haftentlassung 2007 – von ihm geplante Konzert schlug fehl: Der Auftritt der französischen Band „Frangar“ in einem Club in Prenzlau Ende November 2008 konnte nicht stattfinden. Hingegen konnte im Mai 2009 ein Konzert mit mehreren braunen Szenegrößen wie „Eisenwinter“, „Menegroth“, „Dead?“ („Ad Hominem“) und „Sekhmet“ in Sachsen problemlos durchgeführt werden. Auch kürzlich musste Möbus wieder einen herben Rückschlag einstecken: Rund zwölf Tausend rechtsextreme CDs und Schallplatten aus seinem „Merchant of Death“-Versand bzw. „Darker than Black“-Label wurden im Oktober 2009 polizeilich beschlagnahmt.

„Sturmkaiser“-Sänger mit SS-Runen

Im neuen Jahr möchte Möbus offenbar kräftig durchstarten: Gleich drei Konzerte in der „Erlebnisscheune“ kündigt er für das Frühjahr 2010 auf seiner „Myspace“-Seite an: Bei dem ersten Konzert im Jänner soll die französische Band „The Call“ rund um den Frontmann „Kaiser Wodhanaz“ des Neonazi-Projektes „Ad Hominem“ auftreten. „Kaiser Wodhanaz“ kreierte für sein Projekt „Ad Hominem“ etwa das Lied „Auschwitz rules“ (übersetzt etwa: „Auschwitz ist klasse“). Unterstützt wird die Band von der deutschen Gruppe „Svarog“.

Für das zweite Konzert im Februar ist bis dato nur die polnische Gruppe „North“ angekündigt. Diese veröffentlichte 2007 gemeinsam mit den Neonazi-Bands „Graveland“, „Temnozor“ und „Nokturnal Mortum“ einen Split-Tonträger. Sänger und Gitarrist „Sirkis“ kreierte für die befreundete Band „Graveland“ das Bandlogo und ein T-Shirt. Mit seinem Soloprojekt „Fight“ versuchte er sich 1994 offenbar auch kurz im NS-Black Metal.

Das dritte, von Möbus für März angekündigte Konzert bietet die polnische NS-Black Metal-Band „Infernal War“, die sich in der Vergangenheit in Anlehnung an die nationalsozialistische Schutzstaffel auch als „Infernal SS“ bezeichnete und in einem Interview mit „Sieg Heil“ grüßte. Auch die Band „Iperyt“, die zum Teil aus Bandmitgliedern von „Infernal War“ besteht, soll auftreten. Zu schlechter Letzt soll noch die deutsche Gruppe „Ignis Uranium“ auftreten. Diese produzierte z. B. 2005 einen Tonträger bei dem Neonazi-Label „Blutvergiessen“.

Die polnische Band „Iperyt“


5 Responses to “Von Toten-Tänzen, Erlebnisscheunen und anderem braunen Mief”


  1. 1 heldgard
    Februar 5, 2010 um 9:28 am

    nehmt heldgard aus diesen zeilen……
    anzeige üble nachrede und so weiter………
    ihr wisst ja bescheid…..

  2. 2 fightfascism
    Februar 5, 2010 um 10:59 am

    und was genau wollt ihr „anzeigen“ ;P ?
    dass ihr bei diesem konzert aufgetreten seid, ist fakt, oder wollt ihr das bestreiten? mehr wird in diesem kontext auch nicht behauptet.
    ja, wir wissen wirklich bescheid. leere drohungen wie die deine erhalten wir öfter. tatsächlich zu einer klage gekommen ist es interessanterweise aber noch nie. warum nur…?

  3. 3 Heldgard
    Mai 28, 2010 um 5:57 am

    Pass Auf Wir machen Black-Metal und kein NS !!!!
    Wir sind zwar Menschenverachtend aber nicht rechts…
    Ich distanziere mich stark von diesem zeug….
    also lasst diese kindischen aussagen….
    befasst euch einfach mall mit texten und ihr werdet sehn da ist nichts was ns ist…

    und wir bestreiten auch keine auftritte…
    wir wollen einfach das ihr unseren namen nicht in den dreck zieht weil wir keinen nsbm machen
    leute können alles auslegen wie sie wollen dafür sind es menschen mit eigenem geist…
    wir können nichts dafür wenn der eine sagt oh ist das langweilig und der andere wow nsbm…
    das ist halt so es sind menschen wir versuchen einfach nur black metal deer urform zu machen

    menschen verachtend und dreckig
    und nicht rechts

    vielen dank
    Heldgard

  4. 4 fightfascism
    Mai 28, 2010 um 5:10 pm

    und warum spielt ihr dann ständig gemeinsam mit nazis bei nazikonzerten? habt ihr kein anderes publikum oder steht ihr einfach auf die braune brut? wer mit nazis gemeinsam auftritt, sollte sich nicht über entsprechende kritik und folgen wundern…


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