19
Sep
09

Lichtenstein in Sachsen: Aufmarschgebiet brauner „Schwarzmetaller“?

(vgl. auch: Von NS-Verherrlichung, angebliche jüdische Weltverschwörung, Heidentum und der Blut-und-Boden Ideologie).

Am 09. und 10. Oktober soll im Club „Uni“ (betrieben von Dieter Friedl) in  Lichtenstein (Sachsen) wieder das sogenannte „Fireblade Force“-Blackmetal-Festival über die Bühne gehen. Auch heuer werden – wie es mittlerweile schon Tradition ist – die Wünsche der Neonazis unter den BesucherInnen befriedigt. Während 2007 die rechten Gruppen „Nachtfalke“, „Corpus Christii“ und „Morrigan“ auftreten konnten, folgten ihnen 2008 – offenbar bestärkt durch das wohlgefällige Verhalten der lokalen Behörden im Vorjahr – noch radikalere Vertreter der rechtsextremen Blackmetal-Szene: Nun spielten offen neonazistische Bands wie „Satanic Warmaster“, „Silva Nigra“, „Annihilation 666“ und „Vargsang“ auf. Der Club „Uni“ in Lichtenstein ist mittlerweile zu einem beliebten alljährlichen Treffpunkt von Neonazi-Glatzen, „abhitlernden“ Blackmetallern und sonstigen braunen Dumpfbacken geworden, die neben „unpolitischen“ Gästen bei diesen Konzerten anzutreffen sind. Die Neonazi-Band, die in diesem Jahr auftreten soll, wird – so wie im letzten Jahr „Satanic Warmaster“ und „Nachtfalke“ – lediglich als „Special Guest“ und ohne namentliche Nennung der Gruppe auf der Homepage des Konzertveranstalters „Mephistopheles Concerts“ angekündigt. Die Vermeidung der namentlichen Nennung soll dazu dienen, Probleme mit KritikerInnen zu verhindern. Es handelt sich beim „Special Guest“ in diesem Jahr – wie in einschlägigen Internetforen nachzulesen ist – um das neonazistische Soloprojekt „Leichenzug“. Das Projekt covert auf einem Tonträger zahlreiche Lieder der bekannten deutschen Neonazi-Band „Absurd“ und steht auch bei einem Label, das von einem Mitglied von „Absurd“ betrieben wird („Nebelfee Klangwerke“), unter Vertrag. Das einzige Mitglied von „Leichenzug“ spielt auch bei der Gruppe „Halgadom“ – ebenfalls eine einschlägige Gruppe, deren Frontmann der Neonazi Frank Krämer ist.

Hinter dem Namen „Mephistopheles Concerts“ verbirgt sich Björn Eichhorn, der gemeinsam mit Stev Lippold in Annaberg-Buchholz einen eigenen Club („Gleis 3“) betreibt. Auch dort fanden in den letzten Monaten mehrere Konzerte mit einschlägigen Bands statt. So wurde für Juni ein Auftritt der Neonazi-Bands „Sekhmet“ und „Kroda“ angekündigt, letztere Band konnte schließlich jedoch nicht auftreten, da sie aufgrund von Problemen mit AntifaschistInnen ihre Tour abbrechen mußte. Im August spielten u. a. die Neonazi-Bands „Magog“ und „Leichenzug“, somit dasselbe Projekt, das nun auch in Lichtenstein auftreten soll.

Neben „Leichenzug“ sind auch noch andere dubiose Gruppen angekündigt. Die finnische Band „Impaled Nazarene“ ist etwa u.a. für ihre homophoben Liedtexte bekannt. Bei den auftretenden Gruppen „Holmgang“ und „Angantyr“ wirkt ein Musiker als Mitglied, der keinen Hehl aus seinem antisemitischen Gedankengut macht: In einem Interview auf seine Zukunftvisionen angesprochen, gibt “Ynleborgaz” zur Antwort, dass jeder sehen könne, wohin sich die Welt entwickle, “mit all den Juden-kontrollierten multirassischen multinationalen Firmen, die den letzten Tropfen reinen Blutes aus der Welt saugen”. Man habe jetzt dagegen aufzustehen. Ein Mitglied der Gruppe „Hell Militia“ spielte in der Vergangenheit auch bei dem Neonazi-Projekt „Gestapo 666“. Auch die deutsche Gruppe „Eternity“ bewegt sich im Dunstkreis des extrem rechten Flügels der Blackmetal-Szene. Der Sänger der norwegischen Band „Taake“ sorgte im Jahr 2007 für einen Skandal, als er bei einem Konzert in Essen mit einem auf die Brust gemalten Hakenkreuz auftrat. Die finnische Band „Behexen“ fällt durch ihre engen Kontakte zu rechtsextremen Bands wie „Satanic Warmaster“ und „Horna“ auf.

Es bleibt abzuwarten, ob auch in diesem Jahr wieder Neonazis ungestört in Lichtenstein feiern können, zu hoffen ist, dass die augenzwinkernde Toleranz der zuständigen Behörden endlich ein Ende hat.


4 Responses to “Lichtenstein in Sachsen: Aufmarschgebiet brauner „Schwarzmetaller“?”


  1. 1 Klaus
    September 29, 2009 um 1:07 pm

    möchte gern mit euch in Kontakt treten

  2. Oktober 22, 2009 um 12:22 pm

    Hut ab vor deiner Arbeit Alois, aber die Nennung von IMPALED NAZARENE in deinem Artikel, halte ich für nicht gerechtfertigt! Das PARTY SAN OPEN AIR, welches sich ausdrücklich gegen NSBM auspricht, hat 2008 Flagge gezeigt und der Band, welche einige Zeit davor in üblen Misskredit, seitens der Presse und dubioser „Übersetzer“, geraten war, einen Auftritt ermöglicht! I.M. sind wohl eher extreme Punks als rechtsextreme Hetzer! der Enni


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


Auf dieser Seite gehts darum, rechtsextreme und neonazistische Aktivitäten in der Metal- und Neofolk-Szene sowie in anderen Subkulturen aufzuzeigen und über einschlägige Bands, Labels usw. aber auch über antifaschistische Gegenaktivitäten zu informieren.

Follow me on Twitter

Blog Stats

  • 852,718 hits

RSS dokumentationsarchiv

  • just a short break – nur eine kurze pause
    Just a short break – we’ll be back in ten days – nur eine kurze Pause, wir sind in zehrn Tagen zurückFiled under: like
  • Hitlergruß am Fenster – #schauhin
    Aus seiner Wohnung heraus soll ein Bautzener vorbeilaufenden Nazis seine Sympathie bekundet haben – auf sehr spezielle Weise. Jetzt droht eine Gefängnisstrafe. Dutzende Nazis hatten im Januar 2015 in Bautzen gegen die Asylpolitik demonstriert – für einen heute 31-Jährigen könnte das jetzt noch empfindliche Konsequenzen haben. Der Mann, der in Österreich gebo […]

%d Bloggern gefällt das: