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Jun
09

„Rock für Deutschland“ verhindern!!!

Bereits zum siebten Mal soll in diesem Jahr, am 11.07.2009, in Gera das NPD-Open-Air „Rock für Deutschland“ stattfinden. Sieben Jahre, in denen BürgerInnen, Parteien und Stadt mehr oder weniger wegschauten, sich vor ihren Aufgaben, den damit verbundenen Konflikten fürchteten und in Angst und Ignoranz verharrten. Nicht einmal 1% der Geraer BürgerInnen traute sich in den letzten Jahren Courage zu zeigen. Zieht man davon noch all diejenigen ab, die demonstrierten und ihren Wohnort nicht in Gera haben oder hatten, fällt diese Zahl noch beschämender aus.

Gera – ein Trauerspiel
Und dennoch:
Nie zuvor war das Interesse in der bürgerlichen Presse an diesem Ereignis so gering wie in diesem Jahr.  Auch auf parlamentärer Ebene beschäftigt man sich lieber mit Problemchen wie der Schaffung eines neuen Freibades und den damit verbundenen Finanzierungsfragen, anstatt sich damit auseinanderzusetzen, wieso es überhaupt möglich ist, dass eine der bundesweit größten Neonaziveranstaltungen beinahe ungestört in aller Regelmäßigkeit hier in Gera stattfinden kann. Für uns als [AAG] stellt „Rock für Deutschland“ mehr als nur NPD und Musik dar. Für uns beweist sich in diesem Festival der jährliche Höhepunkt der Gewalt- und Hasstiraden auf Andersaussehende und -denkende. Für uns steht fest, dass hier aktiv mit Hilfe von Musik und Reden um Nachwuchs in der Szene geworben wird, dennoch und gerade in diesem Jahr wird man sich über Erlebnisse im „Nationalen Widerstand“ austauschen und verschiedene Taktiken im Umgang mit „politischen Gegnern“ weitergegeben. 2008 z.B. konnten die selbsternannten „Anti-Antifas“ in Kombination mit der Struktur der „autonomen“ Nationalisten gesehen werden, die eine ganz starke Erweiterung zum Klischee des „glatzköpfigen, springerstiefeltragenden Neonazischlägers aus dem Osten“ für die bürgerliche Mitte darstellten. Dort warben sie auch aktiv um eine Trendwende im rechten Spektrum – leider, bzw. wie in Gera zu erwarten, mit Erfolg. Seit nunmehr sieben Jahren findet dieses Ereignis in Gera statt und die radikale und bürgerliche Rechte (die ehemalige Randgruppe) kann sich immer fester in das Gefüge der „Mitte“ einfinden und zieht mit dem Lifestyle, den neuen Ausdrucksformen und ihrer System- bzw. Kapitalismus„-kritik“, in Kombination von Musik und Gesinnung, massiv junge Leute an. In den Wochen vor dem Festival wurden Menschen (gezielt) zusammengeschlagen, neonazistische Parolen an Häuserwände geschmiert. Angst vor faschistisch orientierter Gewalt wird zum Alltagszustand. Somit schaffen sich die Nazis eine passende Atmosphäre und Kulisse für ihre Selbstinszenierung.
Deutschlandweit wird für dieses Festival geworben und aus dem gesamten In- und Ausland kommen dann die BesucherInnen, um ihrem Image gerecht zu werden und sich dabei noch dank Staatsmacht und Ordnungsämter in Geborgenheit wissen zu können.

Sieben Jahre, in denen sich dieses Spektakel gesteigert hat und in denen anscheinend keineR eine Reaktion darauf zeigt. Man ist eher verärgert über Straßen, die aufgrund des antifaschistischen Widerstandes kurzzeitig gesperrt werden müssen und stellt z.B. die Gegendemonstration auf die gleiche Stufe wie das Nazifest.  Man will keinen Ärger haben, hat Angst auf der Straße von Polizei und/oder Rechtsradikalen verprügelt zu werden – DAS KANN UND DARF NICHT DER NORMALZUSTAND SEIN! Es bleibt wieder an euch und uns hängen, die Nazis an diesem Tag aus ihrem Frieden zu reißen und dieses Großereignis bestmöglich zum Desaster zu machen. Und hier kommen Stadt und Staat ins Spiel: Es ist eindeutig, dass eine Diskussion um „rechts und links“ geführt werden muss: Man warnt vor gewalttätigen linken Chaoten, die genau nicht besser als die Neonazis seien usw. usf. In einem Leserbrief im Nachhinein bezüglich der Gegendemonstration war zu lesen: Man habe sich an Heiligendamm 2007 erinnert, als man den gewaltbereiten Schwarzen Block sah.

Von der Staatsseite fordert man die BürgerInnen auf sich aktiv in der Mitte der Gesellschaft zu engagieren und den „Rechts- wie Linksextremismus“ aktiv abzulehnen. Bewusst wird hier das Druckmittel der Angst ausgepackt. Anstatt die BürgerInnen Geras aufzufordern, ihre Abneigung gegen gewalttätige Neonazis und derartige menschenverachtende Feste auf die Straße zu tragen, wird subtil darauf hingewiesen, an diesem Tage besser daheim „in Sicherheit“ zu bleiben und sich nicht mit sogenannten „Linksextremisten“ einzulassen. Dabei wird ganz bewusst provoziert, dass das Engagement für eine befreite Gesellschaft, ohne Hierarchien, Ab- und Ausgrenzung und ohne Gewalt auf die gleiche Stufe wie die neofaschistische und rassistische Veranstaltung gestellt wird, die zur gleichen Zeit stattfindet.
DIES DARF ERST RECHT NICHT DER NORMALZUSTAND SEIN!

Wir als [AAG] wollen diesen Zustand nicht länger hinnehmen, wir sehen es nicht ein, dass es bereits zum siebenten Mal gestattet wird, antisemitisches, sexistisches, nationalistisches und rassistisches Gedankengut so massiv in Gera zu verbreiten. „Bunt statt braun“ stellt für uns mehr als nur „Gegen Nazis“ dar – Antifaschismus bedeutet für uns, genau hier den Bruch mit der bürgerlichen Gesellschaft zu vollziehen und eine aktive Gesellschaftskritik zu veräußern. Natürlich müssen wir uns in dem Punkt auch anerkennend gegenüber jenen BürgerInnen zeigen, die sich aktiv gegen rechte Kultur und die rechte Szene sowie das jährliche „Rock für Deutschland“ einsetzen. Jenen BürgerInnen, denen es nicht egal ist, dass Nazi-Parolen an den Hauswänden bestehen bleiben, die die Aufkleber entfernen und die sich für die Erhaltung und die Erneuerung des Stolpersteinprojektes einsetzen uvm., all denen gilt unsere Achtung und unser Respekt.

Wenn aber „bunt statt braun“ bedeutet, Intoleranz mit Toleranz zu begegnen, dann heißt es für uns AntifaschistInnen eine klare Absage an diese Kultur vorzubringen. Auch dieses Jahr werden wir uns nach besten Kräften an den Protestaktionen beteiligen. Nur hoffen wir diesmal auf ein allgemein größeres Interesse aller, die nicht den Menschenfeinden das letzte Wort überlassen wollen, dies ebenfalls zu tun. Bei aller Kritik setzten wir dennoch auf ein gemeinsames und produktives Miteinander und streben kein Gegeneinander an.
Denn eines sollte Konsens sein: Der Kampf gegen den Faschismus!

„… bis die Scheiße endlich aufhört! Nazifeste sabotieren, demontieren, attackieren!“
– gemäß dem Motto:
Können wir doch nix dafür, wenn was zu Bruch geht!?

[AAG] Antifaschistische Aktion Gera


1 Response to “„Rock für Deutschland“ verhindern!!!”


  1. 1 fightfascism
    Juli 6, 2009 um 6:23 pm

    „SPD-Ortsverband stimmt in Diffamierung durch die AFG ein
    Antifa als Chaoten tituliert und mit Neonazis gleichgesetzt

    GERA, 6. Juli. Wenige Tage vor dem 11. Juli nehmen die
    Auseinandersetzungen um den bundesweit zweitgrößten Neonaziaufmarsch zu.
    Der SPD-Ortsverband Gera-West betitelt Antifaschist(innen) als
    Linksextremisten und Chaoten. Kurz zuvor hatte bereits Dirk Plette von der
    Wählerinitiative Arbeit für Gera (AFG) gegen antifaschistisches Engagement
    gehetzt.
    Mit Worten wie „Viehzeug“ und „Gesocks“ äußerte er sich abwertend
    gegenüber dem Antifa-Block, der sich im letzten Jahr an der Demonstration
    des Bürgerbündnisses beteiligt hatte. Nun stimmt der Ortsverband SPD-West
    in die Diffamierung ein. In der Ostthüringer Zeitung (OTZ) konnte deren
    Vorstand linke Jugendliche unkommentiert als extremistisch, gewalttätig,
    menschenverachtend und unzivilisiert bezeichnen. Deshalb solle man ihnen
    genauso eine Absage erteilen wie den Rechtsextremen. Während die
    SPD-Jugendorganisation JUSOS die Bedrohung durch Neonazis ernst nimmt und
    das Aktionsbündnis Kabelbruch unterstützt, setzt ein Ortsverband ihrer
    Partei diese antifaschistische Zusammenarbeit nun mit neofaschistischer
    Gewalt gleich.

    Die SPD-West äußerte sich bisher nicht zu den besonders in den letzten
    Monaten zunehmenden Angriffen auf nicht-rechte Jugendliche, sondern
    banalisiert diese zum „Tummelplatz sowohl rechts- als auch linksextremer
    gewaltbereiter Chaoten“. Die Beteiligung von Antifa-Gruppen an der
    Demonstration gegen das „Rock für Deutschland“ wird als
    „Demonstrationstourismus“ abgespeist und Gewaltexzesse heraufbeschworen.
    „Diese Verdrehung der Tatsachen versucht die Menschen zu kriminalisieren,
    die sich gegen Neonaziterror zur Wehr setzen. Eine solche neonazistische
    Gewaltspirale gipfelte 2004 schon einmal in einem traurigen Höhepunkt und
    forderte ein Mordopfer. Wir werden nicht warten bis sich so ein Szenario
    wiederholt. Antifaschistischer Widerstand ist nicht extremistisch, sondern
    extrem wichtig.“, sagt Anna Schneider, Pressesprecherin der AAG dazu.

    „In den Monaten des Wahlkampfes scheint der Populismus auch bei einigen
    Protagonist(innen) der SPD Einzug zu halten. Ebenso wie die AFG von Dirk
    Plette, wird sich die SPD Gera von den Aussagen ihres Ortsverbandes
    distanzieren müssen. Andernfalls scheint ein zweifelhafter Schulterschluss
    zwischen beiden Parteien mehr als wahrscheinlich. Bisherige
    Positionierungen der örtlichen SPD verkämen zu reinen Floskeln.“

    Trotz dessen mobilisiert das Aktionsbündnis Kabelbruch weiterhin zum
    Antifa-Block auf der Demonstration und ruft zur Blockade des Neonazifests
    durch zivilen Ungehorsam am 11. Juli auf. Treffpunkt ist zwischen 10.00
    Uhr und 12.00 Uhr auf dem Platz vor dem Kultur- und Kongresszentrum.

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    weitere Informationen finden Sie auf den Websites des Aktionsbündnisses
    http://kabelbruch.blogsport.de und der AAG http://aag.antifa.net
    Wir stehen Ihnen außerdem unter Email aag@riseup.net jederzeit zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Anna Schneider, Pressesprecherin“


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