18
Jun
09

Neonazi-Konzert in Wien

Update: Das Neonazi-Konzert konnte plangemäß und ungestört stattfinden

Ein Konzert mit Musikgruppen der lokalen Neonazi-Szene soll am 20. Juni 2009 in Wien stattfinden. Die angekündigte Band „Service Crew Vienna“ gehört zu den wenigen österreichischen „RAC“(„Rock Against Communism“)-Bands und rekrutiert sich aus Mitgliedern des lokalen Ablegers des Neonazi-Netzwerkes „Blood and Honour“. Bandmitglied Karin „Sisi“ Lugmayr richtet auf der Bandhomepage „special thanks“ an „all white people of the world“, die norditalienische Neonazi-Gruppierung „Veneto Fronte Skinheads“ und an „Blood and Honour“. Letzterer Gruppierung fühlt sie sich offenbar so eng verbunden, dass sie deren Logo sogar als Tätowierung auf dem Handgelenk trägt. Ebenfalls als Tattoo trägt sie die Zahl „88“ – selbige ist ein in der braunen Szene beliebter Code für „Heil Hitler“. Weitere Bandmitglieder sind Petar „Pezi“ Helmer und Martin „Bär“ Lugmayr. Am 13. September 2008 wurde im ungarischen Nogradsap die „ungarisch-deutsche Freundschaft“ zwischen den jeweiligen „Blood and Honour“-Organisationen gefeiert, im Rahmen eines Konzertes traten „Service Crew Vienna“ neben zahlreichen anderen Neonazi-Bands wie „Ver Kötelez“ (H), „Radikahl“/“Volkstroi“ (D), „Verszerzödes“ (H), „Die Lunikoff Verschwörung“ (D), „Honor“ (H) und „White Rebel Boys“ (D) auf. Drei Wochen später, am 04. Oktober 2008, folgte in Slowenien ein weiters „Blood and Honour“-Konzert, bei dem die Wiener Band gemeinsam mit den Gruppen „Ver Kötelez“ (H) und „Feldherren“ auftrat. Am 01. Mai 2009 spielten „Service Crew Vienna“ bei einem Konzert in Italien mit den italienischen Gruppen „Civico 88“ und „Killer Sorpresa“.

Neben der beschriebenen „RAC“-Gruppe soll auch eine ebenfalls aus Wien stammende Pagan Black Metal-Band mit dem Namen „Donner des Nordens“ auftreten. Die Band wurde 2005 vom aktuellen Bandgitarristen Kai Kungl aus Pforzheim gegründet. Laut Eigenaussage trat die Gruppe, die ihren Stil als „Nordische Volksmusik“ bezeichnet bei einem „Geburtstagsfest“ (vermutlich im Jahr 2006 in Bayern) vor 200 Personen auf. Auf dem Programm standen auch die Neonazi-Bands „Sturmpropheten“ und „Jagdstaffel“. Die letztgenannten Gruppen finden in einer Anfragenbeantwortung des Innenministeriums Baden-Württemberg Erwähnung und werden hier als „rechtsextremistisch“ bezeichnet. Kungl prahlt in einem Interview (von 2006), das auf der „Heimseite“ seiner Band zu lesen ist, mit „Kontakten“ zum Verfassungsschutz: „Nach einigen Proben kam der Staatschutz vorbei und uns wurde nahe gelegt (sic), dass wir uns zu Rechts (sic) orientierten. Was natürlicher völliger Quatsch ist! Wir mussten Änderungen in Texten vornehmen, was uns in unserer Kreativität sehr einschränkte“.

Als Veranstaltungsort für das aktuelle Konzert dient das im 2. Wiener Bezirk gelegene Gasthaus „Zur Alm“. „Juniorchef“ des Gasthauses ist André Herold, der neben seinen gastronomischen Aktivitäten auch Kampfsportler beim Wiener Sportverein „Kampfkunstzentrum Donaustadt“ ist. Auf der Homepage des Vereines konnte man Herold bis vor kurzem noch mit einem „Service Crew Vienna“-T-Shirt abgebildet sehen, ein anderes Foto zeigt ihn gemeinsam mit Jürgen Kasamas, einem ebenfalls aus dem Umfeld von „Service Crew Vienna“ bzw. „Blood and Honour“ stammenden Rechtsextremisten, beide tragen T-Shirts der Wiener Band.

Kasamas und Herold (v. l.) in trauter Zweisamkeit

Kasamas erlangte im März 2009 traurige Berühmtheit, nachdem er in Wien einen Mann zu Tode geprügelt und getreten hatte. Die Wiener Polizei sieht sich trotz der vorliegenden Fakten nicht in der Lage, das angekündigte Neonazi-Konzert zu verhindern: „Wir können erst bei Verstößen gegen das Verbotsgesetz einschreiten“, heißt es vom Wiener Verfassungsschutz. Auch die Aufforderung der KonzertveranstalterInnen, auf „Sieg Heil“-Rufe zu verzichten, was schon darauf hindeutet, welches Publikum erwartet wird, ist offenbar nicht Grund genug zum Einschreiten. Die VeranstalterInnen des Konzertes seien „unpolitische Skinheads“, meint der „Service Crew Vienna“-Sympathisant Herold (Quelle: DerStandard, 19. Juni 2009). Und wieder einmal sieht es so aus, als könne in Wien ein eindeutiges Neonazi-Konzert ungestört über die Bühne gehen. Erst im Mai 2009 war im „Budo Center“ der kroatische Neofaschist Marco Perkovic alias „Thompson“ – ohne jede Hinderung durch die zuständige Wiener Magistratsabteilung – aufgetreten.


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