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Deutsche Bands bei Neonazikonzert in Norditalien!

Noch im Juli soll in Norditalien wieder einmal ein von der lokalen Neonazi-Organisation „Veneto Fronte Skinheads“ veranstaltetes Konzert stattfinden. Nachdem im Mai ein junger Mann in Verona von Neonazis zu Tode geprügelt wurde, fürchtete man in der italienischen Rechtsextremisten-Szene bereits um das sonst gegenüber brauner Gesinnung so tolerante Klima. Die „Veneto Fronte Skinheads“ (VFS) versuchten, die Schuld für die Tat von sich zu weisen. Die Täter hätten laut einer im Mai 2008 veröffentlichten Stellungnahme von Giordano Caracino, dem Vorsitzenden der „kulturellen Vereinigung Associazione Culturale ‚Veneto Fronte Skinheads’“, nur „geringen Kontakt zu der radikalen Rechten in Italien“ gehabt. Dem „tragischen Vorfall“ sei eine „Hetzkampagne“ u. a. der italienischen Medien gefolgt, die v. a. gegen die „Veneto Fronte Skinheads“ unter dem Vorwand, die Täter würden dieser Organisation angehören (was aber nicht stimme) und „gegen die gesamte radikale Rechte Italiens“ geführt worden sei. Auch sei es nach einer „verleumderischen ‚Dokumentation’ mit dem Titel ‚Nazirock’“ zu „weiteren Hasstiraden“ gegen ihre „Welt“ (die der „VFS“, Anm.) gekommen. Schließlich sei „Italien immer eine ziemlich glückliche Insel“ gewesen, „um Konzerte und Versammlungen abzuhalten, vor allem im Veneto, wo die Ordnungskräfte nicht einmal erschienen um zu sehen“, was bei den Konzerten der VFS vor sich ging. Dies sei „die Ernte für jahrelange Aktivität, welche leider durch Situationen, wie zum Beispiel die in Verona, von einem Augenblick zum anderen zunichte gemacht werden“ könne.

Die VFS hätten „schon etliche Prozesse bestreiten müssen, die jedoch immer mit einem Freispruch von allen Anklagepunkten“ geendet seien, „in den nächsten Monaten“ sei wieder „mit einer Prozesswelle zu rechnen“ und dies „vor allem wegen der letzten Veranstaltungen die Tausende von Teilnehmern gesehen haben“, so Caracino. Aus diesen Gründen bat er schon im Mai hinsichtlich dem nun im Juli stattfindenden Konzert die potentiellen Konzertbesucher/innen, schon einige Tage vor dem Konzert nach Italien zu kommen und sich nicht in den Städten in der Nähe des Konzertes aufzuhalten sondern stattdessen direkt zu dem Konzert zu fahren, wohl um so Aufsehen zu vermeiden. Angesichts dessen, dass es „eine so erfreuliche Situation in Italien“ gäbe, „wo man noch große Veranstaltungen auf die Beine stellen kann, ohne dass die Ordnungshüter einem den Arsch aufreißen“, was „von gemeinsamen Interesse für alle“, auch „auf europäischer Ebene“ sei, solle der „Rat“ berücksichtigt werden. In einer Aussendung, die Anfang Juli erfolgte, wurde nochmals ergänzt, dass die Teilnehmer von „jedwedem Benehmen absehen“ sollten, „das der Vereinigung selber und dem Fest Schaden zufügen könnte“. Dies stehe „im direkten Zusammenhang mit der aktuellen Situation im Veneto, die durch gewisse folgenschwere Ereignisse ausgelöst wurde.“ Gemeint ist hier offenbar wieder der Mord an dem jungen Italiener. „Keine persönlichen Fehden oder aggressives Verhalten“ würden bei dem Konzert geduldet werden. „Das Motto des Festes“ sei „Zusammenhalt und Spaß“.

Zu der von Caracino erwähnten „Ernte für jahrelange Aktivität“ muss wohl auch der Mord an dem jungen Mann gezählt werden, von dem sich die Neonazis nun schon fast verzweifelt distanzieren wollen, um weiterhin weitestgehend ungestört von Polizei, Politik und Behörden ihr nationalsozialistisches Weltbild verbreiten zu können. Caracino nimmt nicht nur in der italienischen Neonaziszene eine wichtige Position ein, sondern unterhält offenbar auch zur deutschen Neonazi-Szene beste Kontakte, so war er etwa als Redner für das so genannte „Fest der Völker“ der NPD Jena im September 2007 angekündigt. Somit verwundert es auch nicht, dass auch an dem im Juli stattfindenden „Spaß“ neben fünf anderen einschlägigen Gruppen zwei deutsche Neonazibands: „Kraftschlag“ und „Frontalkraft“ teilnehmen sollen. Ebenfalls auftreten sollen die Bands „Armco“, „Kratky Proces“, „P.W.A.“, „Hate for Breakfast“ und „Still Burnin Youth“.

Die estnische Neonazi-Band “Preserve White Aryans” (P.W.A., übersetzt: “Bewahre die Weißen Arier”) wurde 1999 gegründet. Auf dem 2001 von „Blood & Honour Estonia“ produzierten Tonträger der Band mit dem Titel „It’s time to awake“ ist ein vermummter Neonazi mit einer Schusswaffe im Anschlag zu sehen, im Hintergrund eine Hakenkreuzfahne.

Die slowakische Band “Kratky Proces” wurde 1988 gegründet, 1998 wurde sie offenbar aufgelöst und zumindest einige Mitglieder machten unter dem Namen „Juden Mord“ weiter. Im selben Jahr erschien der Tonträger „Arbeit macht frei“, mit dem offen der Nationalsozialismus verherrlicht wird. Auf dem Cover des Tonträgers ist das Tor des KZ Auschwitz zu sehen, der Tonträger wurde 2006 neu aufgelegt. Nun tritt die Band oder zumindest ein Teil davon wieder unter dem alten Namen auf.

Die italienische Band „Armco“ trug 2007 zu einem Tribute-Tonträger für den inhaftierten Michael Regener, Kopf der Neonazi-Band „Landser“ bei. Der Sänger der italienischen Band „Hate for Breakfast“, Alessandro Mereu, ist auch bei der Neonazi-Organisation „Vertice Primo“ führend aktiv und trat ebenfalls beim „Fest der Völker“ im Jahr 2007 als Redner auf.


1 Response to “Deutsche Bands bei Neonazikonzert in Norditalien!”


  1. August 28, 2008 um 1:02 pm

    Traurig aber wahr! Es nimmt einfach kein Ende. Wie lange frage ich mich soll das eigentlich noch so weitergehen? Mich nervt das Ganze mittlerweile schon über 10 Jahre. Immer und immer wieder diese Geschichten. Werdet doch jetzt endlich mal schlauer, bitte.


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