03
Jul
08

NPD plant braunes „Sommerfest“ in Sangerhausen

Am Samstag, 05. Juli 2008, veranstaltet der NPD-Kreisverband Mansfeld-Südharz ein so genanntes „Sommerfest der Nationalen Bewegung in Sachsen-Anhalt“, das nach einem mittlerweile „bewährten“ und in vielen deutschen Bundesländern angewandten Muster ablaufen soll. Unter dem Vorwand einer von Kadern der NPD angemeldeten politischen Kundgebung wird neonazistischen Musikgruppen und Liedermachern ein öffentlicher Auftritt ermöglicht, der anderenfalls oftmals untersagt werden würde. Zusätzlich halten NPD-PolitikerInnen ihre Hetztiraden ab, diese werden mit einem Programm für Kinder garniert, um den Anschein des Bürgerlichen zu wahren und um ganze Familien anzulocken. Im aktuellen Beispiel werden etwa „Attraktionen für die Kleinen, wie eine Hüpfeburg, Blechdosenwerfen, Kinderschminken uvm.“ geboten.

Als Verantwortliche für die Neonazi-Veranstaltung fungiert in diesem Fall Judith Rothe aus Sotterhausen, Kreisvorsitzende der NPD Mansfeld-Südharz und stellvertretende NPD-Landesvorstands-Vorsitzende in Sachsen-Anhalt. Veranstaltungsort soll das von der Stadt Sangerhausen für den 05. und 06. Juli gepachtete Gewerbegebiet „Wasserschluft“ in Sangerhausen sein.

Als Versammlungsleiter treten Marcus Großmann aus Sotterhausen und Jens Bauer aus Kleinwanzleben auf, Stellvertreter ist Enrico Marx aus Sotterhausen. Die Neonazis sollen um 8 Uhr früh am Veranstaltungsgelände mit dem Aufbau der technischen Einrichtungen beginnen, die Veranstaltung beginnt dann um 11 Uhr und ist bis 24 Uhr angemeldet. Die von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd verfügten Auflagen für die Veranstaltung verkommen angesichts der ideologischen Orientierung der veranstaltenden Partei und der auftretenden Musikgruppen zu einer bloßen Farce, so heißt es etwa in dem Schreiben der Polizei an die Veranstalter: „Fahnen, Wortkundgebungen oder Redebeiträge, Sprechchöre, Musikdarbietungen, Transparente, Trageschilder, Spruchbänder und dergleichen sowie Embleme und Tätowierungen dürfen keine strafbaren, oder eine Verbundenheit mit der NS-Vergangenheit Deutschlands erkennbaren Inhalt haben und müssen sich am angemeldeten Versammlungsmotto orientieren. Sie dürfen auch nicht zum Hass, zur Gewalt oder zu Willkürmaßnahmen gegen die Bevölkerung oder Teilen der Bevölkerung aufrufen und haben den Frieden zu wahren. Die Menschenwürde anderer darf nicht verletzt werden, indem Teile der Bevölkerung böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden. Behörden, Institutionen oder Personen des öffentlichen Lebens dürfen nicht diffamiert werden. Auf die Strafbarkeit derartiger Äußerungen wird ausdrücklich hingewiesen.“

Der einzige Zweck dieser und vieler anderer Veranstaltungen ist es aber in Wahrheit doch, die NS-Vergangenheit zu verherrlichen, zu Hass, Intoleranz und Gewalt gegen Minderheiten aufzurufen und die Menschenwürde mit Füßen zu treten! Während die braune Hass-Veranstaltung nun also – zwar mit strengen Auflagen aber doch – von den Behörden genehmigt wurde, kümmert sich die Polizei offenbar sogar um das körperliche Wohlbefinden der Neonazis, so heißt es etwa in der Anmelde-Bestätigung: „Zum Verzehr angebotene Backwaren sollten durch eine Bäckerei zubereitet werden und anlässlich der Versammlung zur sofortigen Verzehr angeboten werden. Insbesondere sollen Trockenkuchen und andere Backwaren ausschließlich in gut durchgebackenem Zustand angeboten werden.“

Nun zu den auftretenden Neonazi-Bands: Immer noch geworben wird mit einem Auftritt der Gruppen „Projekt Irminsul“ und „Wolfsgarde“, obwohl dieser von den VeranstalterInnen selbst abgesagt wurde. Nach wie vor spielen sollen die Gruppen „Ferox“, „Bloodline“, „Before the War“ und „Nordglanz“.

Viktor Sjölund, der Sänger von „Ferox“, ist Aktivist der schwedischen Neonazi-Online-Seite „Info 14“, die dem braunen Netzwerk „Blood and Honour“ sehr nahe steht. Somit verstößt der Auftritt dieser Gruppe vermutlich gegen die Auflagen, die die Verwendung der Symbolik und andere Zusammenhänge mit „Blood and Honour“ untersagen. Im Jahr 2007 traten „Ferox“ bereits beim so genannten „Sachsentag“ der NPD in Dresden-Pappritz auf.

„Nordglanz“ ist eine neonazistische Black-Metal-Band aus Frankfurt/Main, die Band coverte in der Vergangenheit auf ihren Tonträgern u. a. Lieder von Frank Rennicke und Absurd. In ihrem Lied „Für das Reich“ zeigt die Band sehr offen, welches rassistische und nationalsozialistisch orientierte Weltbild sie vertritt: „Über Grenzen, über Meere ziehen unsere weißen Heere. Länder, Wälder, alte Sitten für sie hatten sie gestritten. Für das Reich, für die Art, für den Mut, den Boden und die Ehre. Für das Reich, für den Kampf, für den Mut, den Boden und Nachfahren.“ In dem Lied „Wotan strafe England“ wird Winston Churchill die Schuld für Tod und Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges gegeben und die „Auferstehung für Germanien“ herbei beschworen. „Before the War“ waren bereits für den „Nationalen Frankentag“ 2008 in Bayern angekündigt, zusätzlich soll auch die deutsche Gruppe „Bloodline“ (wobei es sich möglicherweise um ein Pseudonym für eine andere Neonazibands handelt) in Sangerhausen auftreten.


2 Responses to “NPD plant braunes „Sommerfest“ in Sangerhausen”


  1. 1 HC
    Juli 3, 2008 um 8:29 pm

    Treffpunkt für gegenaktionen is 12 uhr (bhf) Sangerhausen!!!


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