18
Jul
07

Neonazistisches NPD-„Sommerfest“ in Sachsen-Anhalt

Am 04. August 2007 veranstaltet die NPD Sachsen-Anhalt „in Zusammenarbeit mit freien Kräften“ unter dem Motto „Zukunft statt Globalisierung“ ein „Sommerfest der nationalen Bewegung“, wobei keine genaue Ortsangabe erfolgt, lediglich der Hinweis „Zwischen Sangerhausen und Oberröblingen“ wird gegeben. Die Gestaltung der „Zukunft“ sieht bei der NPD so aus, dass rechtsextremen bzw. neonazistischen Musikgruppen und Personen, die eine intolerante, reaktionäre und braune Politik vertreten, eine Bühne geboten wird – ganz nach der bekannten Manier: Eine politische Demonstration/ Kundgebung wird angemeldet und unter den toleranten Augen der Polizei/ Behörden können die besagten Personen und Gruppen ohne Probleme auftreten. Mittlerweile veranstaltet die NPD jedoch bereits so viele Neonazikonzerte und -veranstaltungen, dass diese – wie in diesem Fall – gleichzeitig stattfinden und somit zueinander in Konkurrenz treten. Am selben Tag wie das „Sommerfest“ findet der sogenannte „Sachsentag“ der NPD in Dresden statt. Diese Gleichzeitigkeit kann für die Neonazis natürlich auch positiv sein, wenn etwa ein einschlägiges Konzert in einem Bundesland verboten wird und dann ganz einfach an eine NPD-Veranstaltung in einem anderen Bundesland angehängt werden kann (siehe: Neonazikonzert von Stuttgart/Ulm nach Saarbrücken verlegt).

Neben einer Hüpfburg, Blechdosenwerfen und Kinderschminke, mit denen auch Familien zum neonazistischen Nachmittagsevent gelockt werden sollen, soll es beim „Sommerfest“ Auftritte bzw. Vorträge folgender Musikgruppen und Personen geben:

 

Die Band „Civil Disorder“ aus Sachsen-Anhalt soll neben einer Reihe von neonazistischen Bands auf einem Tonträger-Sampler vertreten sein, der im Herbst 2007 bei dem einschlägigen Label „Barbarossa Records“ erscheinen soll. Der Betreiber des Labels ist der Neonazi Enrico Marx, der die NPD-Veranstaltung auch auf seiner Onlineseite bewirbt und offensichtlich zu den genannten „freien Kräften“ als Mitorganisator zählt. Auch die beiden Bands „Hate Soldiers“ und „Vae Victis“ haben Tonträger bei Marx produziert.

 

Bereits der erste Tonträger der 2000 gegründeten „Vae Victis“, der beim dem US-amerikanischen Label „Thule Publications/Imperium Records“ im Jahr 2001 produziert wurde, wurde in Deutschland indiziert (Quelle: http://www.petrapau.de/16_bundestag/dok/down/1600052.pdf). Auf der CD finden sich Lieder mit Titeln wie „Rassenkrieg“, „Adolf“ und „Krieg des Blutes“. Die Rückseite des Tonträgers ist mit einem Zitat des französischen Psychologen Gustave de Bon (der sich ob diesem Mißbrauch seiner Worte wohl im Grab umdrehen würde) sowie mit einem Bild, auf dem die Rückseite Adolf Hitlers mit vor ihm angetretenen nationalsozialistischen Truppen zu sehen ist, versehen.

 

Die Gruppe „Hate Soldiers“ veröffentlichte im Jahr 2006 gemeinsam mit der ebenfalls einschlägigen Band „Race ’n‘ Nation“ einen Tonträger bei „Barbarossa Records“.

 

Auch die bekannte Neonaziband „Kraftschlag“ soll im Rahmen der NPD-Veranstaltung auftreten. „Torstein“, ein „nationaler Liedermacher“ aus Thüringen, widmet auf seinem ersten Tonträger dem SS-Hauptsturmführer Michael Wittmann sowie dem verstorbenen Neonazi-Idol Ian Stuart jeweils ein Lied.

 

Neben den Bands sollen auch diverse RechtsextremistInnen und Neonazis Vorträge halten: Udo Pastörs (NPD-Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern) meinte etwa über Adolf Hitler: „Er ist ja ein Phänomen gewesen dieser Mann, militärisch, sozial, ökonomisch – er hat ja wahnsinnige Pflöcke eingerammt auf fast allen Gebieten. … Ich bewerte das jetzt nicht, ich stelle das nur fest.“ (zitiert auf http://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Past%C3%B6rs)

 

Andreas Thierry, ein Österreichischer Neonazi, trat bereits beim „Europatag“ der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ am 05. Mai 2007 in Bayern als Vertreter „für die Ostmark“ auf. Ende der 1980er Jahre war er der Führungskader der neonazistischen „Volkstreuen Jugend Offensive (VjO), der Österreichischen Unterorganisation der Deutschen „Nationalistischen Front“ (NF) . Thierry galt auch als einer der österreichischen Verbindungsleute zu der im Jahr 1992 in Deutschland verbotenen Organisation. (Quelle: http://www.doew.at/frames.php?/projekte/rechts/chronik/2007_01/strache.html, http://www.apabiz.de/archiv/material/OrganisationsAbkuerzung.htm).

Schon Ende der 1990er Jahr wurde Andreas Biere im Zuge von polizeilichen Ermittlungen gegen die neonazistische Band „Landser“ festgenommen. (Quelle: http://www.turnitdown.de/58.html). Biere war bis vor kurzem ein Führungskader der inzwischen aufgelösten Kameradschaft „Nationale Sozialisten Magdeburg“, nun ist er stellvertretender Kreisvorsitzender der NPD in Magdeburg. (http://www.idafar.info/archiv/tageszusammenstellungen/2007/tzs@vom=2007-01-10.html, http://de.indymedia.org/2007/07/187613.shtml). Auch Carola Holz (NPD-Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt), Matthias Heyder (Kreisvorsitzender in Harz) und Matthias Fiedler, (Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Eichsfeld (Thüringen)) sollen ihre rechtsextremen Parolen „zum Besten“ geben.

 

 


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