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Polizei duldet erneut neonazistisches „Rock für Deutschland“-Konzert in Gera

Bereits im fünften Jahr in Folge (Infos zu den letzten Jahren) fand am 30. Juni 2007 in Gera (Thüringen) ein von der NPD Gera veranstaltetes Konzert mit diversen neonazistischen Musikgruppen statt. Die Konzerte, die als Demonstration getarnt werden, fanden in den letzten Jahren jeweils mit Duldung der Polizei statt.

In diesem Artikel soll es vor allem um die Musikgruppen gehen, die heuer ungestört auftreten konnten.

Statt der Band „Brainwash“, die ursprünglich geplant war, spielte in diesem Jahr die Band „Racial Purity“, auch „Frontalkraft“, „Spreegeschwader“ und „Woden“ waren mit dabei.

Schon in ihrem Namen macht die Band „Racial Purity“ (übersetzt: „Rassische Reinheit“) deutlich, dass sie eine klar rassistische Einstellung hat, selbiges wird auch deutlich, wenn die Band den Grund für ihren englischen Namen in einem Interview erläutert: „Der Name drückt die Liebe zu unserer Artgemeinschaft aus. Da dieses weltweit gelten sollte, haben wir einen englischen Namen gewählt. Was andere Bands machen ist ihnen überlassen. Aber du hast recht, es wird sehr viel gemacht und wir sollten unsere Sprache vor fremden Einflüssen schützen, nicht nur unsere Sprache! (sic!)“. Mit dem Lied „Open your Eyes“ zeigt die Band ihre klar antisemitische Haltung: „Öffnet eure Augen und seht wie unsere Welt, Stück für Stück durch gewisse Bünde und das Kapital unterjocht wird. ZOG ist allgegenwärtig!“, beschreibt die Band den Inhalt des Liedes. Robert Jay Mathews, dem verstorbenen Führer der US-amerikanischen Neonaziorganisation „The Order“, haben „Racial Purity“ laut dem Interview ein eigenes Lied gewidmet.

Die britische Band „Woden“ besteht aus Mitgliedern der aufgelösten Band „Eye of Odin“. Die Bandmitglieder gehören zum „Urgestein“ des neonazistischen Untergrunds in Großbritannien. Bassist Brad und Schlagzeuger Lemmy spiel(t)en etwa in der Neonaziband „Squadron“, der Sänger „Raven“ war in der in den frühen 1980ern gegründeten, einschlägigen Band „Ovaltinees“ aktiv. In einem Interview mit dem „Blood and Honour“-Magazin (Nr. 21, 2001) spricht die Band „Eye of Odin“ über den Umgang der Polizei mit „Blood and Honour“-Konzerten: „Einige unserer Gesetze mögen sich von jenen in anderen Ländern unterscheiden, aber das Endresultat ist das gleiche. ZOG wird jedes vorhandene Mittel verwenden, um unsere Aktivitäten zu unterdrücken, offen und verdeckt. Das führt unvermeidlich zu Problemen mit der Polizei, weil die Polizei bloß ein weiteres Werkzeug von ZOG ist. Mindestens 98 % der Konzert in Großbritannien können ohne irgendein Problem durchgeführt werden. Es scheint vom politischen Klima zum jeweiligen Zeitpunkt abzuhängen, d.h. hat die Polizei Druck von oben erhalten oder nicht – in Hinsicht auf das Beenden von mehr Konzerten, oder ob da kürzlich ein Vorfall war mit rassischen Zwischentönen, der die Polizei dazu führt, jeden der in Verbindung mit der rassischen Bewegung steht, zu verfolgen. Einem richtigen Revolutionär ist bewusst, dass jede Regierung in jedem Land Teil der Einen Weltordnung ist und uns deshalb völlig fremd ist, so erwarten wir, Problemen zu begegnen und wir haben gelernt uns verdeckt zu organisieren.“

Auf der Homepage der Band „Frontalkraft“ wird man mit dem Spruch „Heilsa Victoria an alle Unentwegten!“ begrüsst, womit offensichtlich auf den Spruch „Hail Victory“ („Sieg Heil“) angespielt wird. In einem Interview zeigt die Band, welche Geschichtsauffassung sie vertritt: „Was ist den (sic!) seit `45 passiert? Zwei ganze Generationen sind umerzogen worden. Und wir meinen das jetzt nicht nur politisch. Vor allem psychologisch. Stück für Stück wurde jedem einzelnen die Freiheit genommen.“ Auch auf die Ziele der Band wird eingegangen: „Die Aufgabe ist, eine Basis an jungen Menschen zu sich zu bekommen und dazu gehört die z.B. die Musik (…) Diese Jugend, die man dann für unsere Reihen durch Musik gewinnt, muss dann sensibilisiert werden für unser Ziel (…) ja wir formen sie mit unseren Willen mit, die als Masse auf der Straße des Volkes Stimme Gehör verschafft. Ob wir dieses jemals erleben werden ist eine andere Sache, aber wir können die Vorraussetzungen dafür schaffen, das sich Bilder wie vor 15 Jahren in Mitteldeutschland wiederholen“ (Hier wird offenbar auf die rassistischen Ausschreitungen in Hoyerswerda/Sachsen Anfang der 1990er angespielt, Anmerkung).

In einem anderen Interview freut man sich darüber, dass der Widerstand von Seiten der Antifa und polizeiliche Maßnahmen gegen die Band geringer geworden sind: „In dem Zeitraum zwischen 93´ und 98´ war die Antifa in Cottbus und Umgebung sehr aktiv und zahlenmäßig ziemlich stark. Gerade die Berliner Antifatzken waren hier damals recht häufig und massiv präsent. War schon `ne echt heiße Zeit damals. Heute haben die Zecken hier allerdings nichts mehr zu lachen. Unsere speziellen Freunde von der SoKo MEGA (Mobiles Einsatzkommando gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit) und vom Staatsschutz sind mittlerweile auch ruhiger getreten. Sie haben wohl endlich kapiert, dass sie gegen uns einfach nichts in der Hand haben.“

Im Jahr 2002 antwortete die Band in einem Interview auf die Frage, was sie gerne über sich in der Zeitung lesen würde, mit: „Ausverkauftes gigantisches Frontalkraft Konzert im tobenden Berliner Olympiastadion‘ als Schlagzeile in der Reichszeitung ‚Völkischer Beobachter'“ (Quelle: http://www.doew.at/frames.php?/projekte/rechts/chronik/2004_10/skins.html).

Die Berliner Band „Spreegeschwader“ rund um Alexander Gast betreibt das neonazistische Label „Panzerbär Records“, das diverse einschlägige Tonträger veröffentlicht hat.

Links: Infos zu antifaschistischen Gegenaktionen


6 Responses to “Polizei duldet erneut neonazistisches „Rock für Deutschland“-Konzert in Gera”


  1. 1 Axel Mylius
    Juli 3, 2009 um 3:32 pm

    Ads by Google

    Odin statt Allah
    Das T-Shirt mit dem ihr zeigen könnt wo der Hammer hängt
    www.(link zu einem neonazi-versand, zensiert durch fightfascism)

    ….!?

  2. 2 fightfascism
    Juli 3, 2009 um 6:09 pm

    hallo axel! auf die gestaltung von inseraten von google ad haben wir KEINERLEI einflussnahme, vielleicht kannst du einen screenshot anfertigen, online stellen und die adresse hier reinstellen, da wir dieses inserat selbst gar nicht sehen können. wir werden uns dann entsprechend beim blog-anbieter wordpress beschweren.

  3. 3 Axel Mylius
    August 15, 2009 um 3:22 pm

    Hey, ich wollte nur lakonisch anmerken, dass ich mit dem neuen Sponsor des Anbieters nicht identisch bin: Ich wünschte mir, ich wäre Hotel-Besitzer!😉

    Mit solidarischen Grüßen

  4. September 9, 2010 um 10:35 pm

    Dass eine Tour oder auch nur ein Konzert immer zu solchen Dingen Missbraucht werden muss. Das schadet nicht nur dem Konzert sondern auch der Gesellschaft…


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