16
Mai
07

NSBM-Konzert mit „Absurd“, „Blessed in Sin“, „Finis Gloria Dei“ und „Blutrache“ in Bayern geplant

 

Am 09. Juni 2007 ist im Gasthof Göb in Gremsdorf (Bayern) ein Konzert der neonazistischen Black-Metal-Musikgruppen „Absurd“ (D), „Blessed in Sin“ (F), „Finis Gloria Dei“ (F) geplant. Auch die niederländische Band „Funeral Winds“ sollte spielen, hat inzwischen jedoch abgesagt. Als Ersatz soll die Band „Blutrache“ auftreten. In den letzten Jahren konnten im Gasthof Göb zahlreiche braune Veranstaltungen (z. B. der NPD) – ungestört von der Polizei – über die Bühne gehen. “Absurd” traten dort etwa schon im Jänner 2004, im Februar 2005 und im März 2006 auf. (1a) Angesichts dessen, dass es sich bei „Absurd“ um die bekannteste deutsche „National Socialist Black Metal“-Band handelt, deren führende Köpfe einschlägig vorbestraft sind, ist dies ein schier unglaublicher Sachverhalt. Die Polizei sieht keinen Bedarf, einzuschreiten, da es angeblich noch nie zu Gesetzesverstößen gekommen ist. Auch der Inhaber des Gasthofes, Thomas Göb, hat kein Problem mit brauner Kundschaft (1b). Hauptsache, der Rubel rollt. Die Veranstaltungen werden häufig als „geschlossene Veranstaltungen“ deklariert, um ein behördliches Eingreifen zu verhindern. Angesichts der öffentlichen Werbung in diversen einschlägigen Internetforen darf diese Argumentation keine Ausrede sein, bei diesem Konzert nicht einzuschreiten. Es handelt sich um eine eindeutig neonazistische Veranstaltung – im extrem rechten „Christhunt Productions“-Forum und im Forum der nationalsozialistischen „Pagan Front“ freut man sich etwa schon sehr auf den Konzertabend (1c).

 

 

 

Das Konzert wird in einschlägigen Internetforen vom – kürzlich aus der Haft entlassenen – Ex-Sänger der Band „Absurd“, Hendrik Möbus, beworben. Er war 2003 wegen Volksverhetzung, Gewaltverherrlichung und der Verunglimpfung Toter zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die Rolle des Sängers übernahm sein älterer Bruder Ronald Möbus, der sich ebenfalls vor Gericht verantworten musste (2). Offensichtlich gehört die Neonaziorganisation „Junge Nationaldemokraten Bayern“ (Jugendorganisation der NPD) zu den Organisatoren des Konzertes. Zumindest wird als Kontakt-Telefonnummer für das als „Geburtstagsfeier“ getarnte Konzert eine Telefonnummer angegeben, die sich interessanterweise auch in einem Aufruf zu einer Demonstration der „Jungen Nationaldemokraten Bayern“ wiederfindet. Die Kontakttelefonnummer gehört Matthias Fischer (NPD Bayern), der bei einem Neonazikonzert in Ungarn im Februar 2007 den Hitlergruss zeigte und der auf seinem Kopf etwa „Aryan Hope“ eintätowiert hat. Die Neonazis hatten am 23. Februar 2007 einen Fackelmarsch „gegen linken Terror“ in Gräfenberg veranstaltet.

 

In einem Statement im Online-Forum der neonazistischen „Pagan Front“ macht Hendrik Möbus noch einmal klar, wofür die Band „Absurd“ stand und steht: (…) Ich möchte die Paganische Tollheit unter möglichst vielen unserer Arischen Jugend verbreiten (…). In einem Interview aus dem Jahr 2005 nimmt der aktuelle „Absurd“-Sänger Ronald Möbus zur polizeilichen Verfolgung von Neonazis Stellung: „Die Deutsche ZOG („Zionist Occupied Government„, Anmerkung) hat überhaupt nicht aufgehört, NS Leute zu schikanieren (…) viele viele Symbole können einen in große Schwierigkeiten bringen, wenn man diese in der Öffentlichkeit oder auf CDs zeigt. Nicht nur das klassische NS Hakenkreuz, sondern auch jedes Sonnenrad, das an ein Hakenkreuz erinnert, ist verboten, genauso wie viele Runen, die in der NS-Zeit in Verwendung waren. Nun wurde sogar die Thor Steinar Kleidung verboten, weil das Thor Steinar Logo Runen zeigt, die von der SS und der SA verwendet wurden.“ (3)

In nächster Zeit ist eine gemeinsame Tonträgerveröffentlichung von „Absurd“ mit der neonazistischen US-Band „Grand Belial’s Key“ und der schwedischen NSBM-Band „Sigrblot“ geplant. Auch ein Absurd-„Best-of“-Tonträger mit dem Titel „Der Fünfzehnjährige Krieg“ (Damit bezieht man sich auf das fünfzehnjährige Bandbestehen, Anm.) soll veröffentlicht werden.

Im August 2007 sollen „Absurd“ beim sogenannten „Frey Faxi Festival“ in Rumänien gemeinsam mit anderen einschlägigen Bands wie etwa „Temnozor“ und „Orthanc“ auftreten, auf einem Flyer aus dem Jahr 2004 für ein Konzert gemeinsam mit den einschlägigen Bands „Der Stürmer“ und Totenburg war sogar ein Hakenkreuz angebracht.

 

 

Auch die anderen auftretenden Musikgruppen sind eindeutig dem neonazistischen Flügel der Black Metal Szene zuzuordnen: Der Frontmann von „Funeral Winds“, Maurits Jansen, meinte in einem Interview etwa: „(…) Es ist an der Zeit, alle Immigranten zusammen mit der Regierung aus den Niederlanden zu werfen. Öffnet Auschwitz wieder und gebt ihnen allen einen Freifahrtschein zur Hölle.“ (4)

 

Die Brüder David und Christophe Magnoni, die als Sänger und Gitarrist der Band „Blessed in Sin“ aktiv sind, gehören zu den wichtigsten Aktivisten des neonazistischen Black-Metal-Underground in Frankreich. Im Februar 2004 standen sie gemeinsam mit fünf anderen Personen wegen Rassismus, Antisemitismus und Friedhofschändung vor Gericht und wurden zu Geld- und Haftstrafen verurteilt. (5)

 

In einem Interview zeigt die Band ihre menschenverachtende Orientierung: (…) aber am schlimmsten sind die Araber und die Neger, die in unseren Straßen viel zu viele sind. Wie die Christen, die Juden und die Moslems muss man diese Scheiße verbrennen, sie alle vergasen, kein Erbarmen für die Minderwertigen.“ Die Band „Finis Gloria Dei“ besteht ähnlich wie „Blessed in Sin“ aus Neonazis: Neben David Magnoni sind auch Laurent Franchet, der Frontmann der NSBM-Band „Kristallnacht“, und Anthony Mignoni involviert. Die beiden letzteren mussten sich ebenso wie die Magnoni-Brüder u. a. wegen Rassismus vor Gericht verantworten.

 

Mit diesem Konzert wird erneut bewiesen, dass Behauptungen, die Band „Absurd“ habe sich vom Neonazismus verabschiedet und wende sich nun lediglich dem Paganismus zu, unzutreffend sind.

Die deutsche Neonazi-Band „Blutrache“ sollte im November 2006 bei einem NS-Black-Metal-Konzert in Thüringen auftreten, das jedoch von der Polizei aufgelöst wurde.

 

  1. a) siehe auch: http://www.turnitdown.de/430.html (zum Jänner 2004); http://www.stmi.bayern.de/imperia/md/content/stmi/sicherheit/verfassungsschutz/verfassungsschutzberichte/verfsch_2005_hj.pdf (zum Februar 2005); http://aida.open-lab.org/index.php?option=com_content&task=view&id=403&Itemid=216 (zum März 2006; b) http://www.nn-herzogenaurach.de/artikel.asp?art=648825&kat=15&man=6 (Nordbayerische Nachrichten, 22.05.2007); c) http://www.christhuntproductions.com/phpBB2/, http://paganfront.proboards92.com/
  2. http://www.taz.de/dx/2003/05/16/a0130.1/text.ges,1
  3. Interview mit dem „Mirkwood“ Web Zine, 2005
  4. Dornbusch/Killguss 2005. Unheilige Allianzen – Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus, Seite, 216, mehr Infos zu „Funeral Winds“ siehe: https://fightfascism.wordpress.com/2007/04/29/janner-2006-eternity-in-witten/
  5. Dornbusch/Killguss 2005. Unheilige Allianzen – Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus, Seite 219, mehr Infos zu „Blessed in Sin“ und „Finis Gloria Dei“ siehe: https://fightfascism.wordpress.com/2007/04/29/april-2007-neonazistische-konzerte-in-ellrich-und-annaberg-buchholz

Im folgenden finden sich noch genauere Informationen zum Gasthof Göb (Quelle: http://www.redok.de/content/view/693/36/):

 

 
Lieber Nazirock als Kindergarten-Essen

redok
28.05.2007

Gremsdorf. Ein Gasthof im mittelfränkischen Gremsdorf dient seit Jahren als beliebter Neonazi-Treff. Die Gemeinde wollte den schlechten Ruf eines Nazi-Dorfes loswerden und bot dem Wirt wirtschaftliche Unterstützung an – doch der lehnte ab und beherbergt lieber NPD und Nazirock-Konzerte.

Im 1.500-Seelen-Ort Gremsdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) ist die gastronomische Auswahl nicht groß, wenn Vereine tagen oder feiern wollen. Und so kehren die üblichen Verdächtigen auch im Gasthof Göb ein: Fischerei- und Brieftaubenverein versammeln sich dort, die Freie Wählergemeinschaft hält ihre Generalversammlung ab, der Frauentreff organisiert dort den Kinderfasching, so wie auch alle Vereine des Ortes beim Wirt Thomas Göb ihren gemeinsamen Faschingsball feiern.

Doch solche Kundschaft scheint Göb nicht auszureichen. Bereits seit Jahren treffen sich in seinem Saal immer wieder Neonazis, die weit über die Region hinaus zu Nazirock-Konzerten oder politischen Versammlungen anreisen.

Im Januar 2004 spielte die Nazi-Black-Metal-Band „externer LinkAbsurd“ hier auf, die im Februar 2005 erneut vor 140 Gästen bei Göb auftrat, zusammen mit den Bands „Blutaar“ und „Morrigan“. Im Mai 2005 waren es Gruppen wie „externer LinkRadikahl“ (Nürnberg), „externer LinkBlitzkrieg“ (Chemnitz) und „externer LinkPropaganda“ (Horb, Baden-Württemberg), die vor 250 Gästen für rechten Spaß sorgten. Als Treffpunkt der rechtsradikalen Szene sei der Gasthof jedoch nicht einzustufen, meinte ein Sprecher der Erlanger Kriminalpolizei. Der Gasthof wurde zwar in thüringischen und bayerischen Verfassungsschutzberichten erwähnt, doch ohne Namensnennung, und so ließ sich Gastwirt Göb davon nicht stören.

Göb hatte sich darauf zurückgezogen, dass er „aus rein geschäftlichem Interesse“ an Rechtsaußen vermiete: „Was Geld bringt, wird gemacht“. Bei der Auswahl der Gäste könne man in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht wählerisch sein, und außerdem laufe die Anmietung über einen Konzertveranstalter und da frage er nicht nach.

Einen Konzertveranstalter brauchten jedoch einige seiner Gäste keineswegs. Schon im Oktober 2003 trafen sich bei Göb die „Jungen Nationaldemokraten“ (JN, NPD-Jugendorganisation) zu einem „Europakongress“ mit 160 Teilnehmern und Delegationen aus Italien, Irland, Schweden sowie Griechenland. Dabei waren der JN-Vorsitzende Stefan Rochow, der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt und Pierre Krebs, ein Vordenker der „Neuen Rechten“ und Gründer des „Thule-Seminars“ (Kassel). Musikalisch untermalt wurde das Treffen von den braunen Liedermachern Frank Rennicke und Michael Müller. Im März 2005 fand bei Göb laut der Münchner externer Linka.i.d.a. die Hauptversammlung der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e. V.“ (HNG) statt.

Im folgenden Jahr 2006 ging das Rechts-Geschäft weiter: Erst gab es Mitte Mai wieder ein Rechtsrock-Konzert ohne „Nachfragen“ des Gastwirts, dann versammelte sich eine Woche später wieder eine Truppe ohne Konzertveranstalter: der bayerische NPD-Landesparteitag kam bei Göb mit „über 100 Delegierten und Gästen“ zusammen, darunter auch dem stellvertretenden Parteivorsitzenden Holger Apfel.

Im März 2007 reichte es einigen Lokalpolitikern. Zwei Grünen-Kreisräte appellierten an die Einwohner, den Gasthof Göb nicht mehr als Treffpunkt für Parteien, Vereinstreffen, Faschingsabende oder sonstige Veranstaltungen zu benutzen. Der Landkreis solle zumindest den Gasthof aus seinen Freizeitbroschüren streichen. Auch der Gremsdorfer Bürgermeister Waldemar Kleetz wollte nun zu weiteren Taten schreiten. Schon seit längerem kehrt der Gemeinderat nach seinen Sitzungen nicht mehr bei Göb ein, nun soll am 1. Juli eine Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus abgehalten werden.

Doch die Gemeinde wollte den über knappe Kassen klagenden Gastwirt beim Wort nehmen und ihm eine Brücke bauen. Der Gemeinderat gab Göb den Zuschlag für die Versorgung des Kindergartens mit Mittagsverpflegung, für die er sich beworben hatte. Gehofft hatte das Gremium darauf, dass der Gastwirt dann auf rechtsextreme Veranstaltungen verzichten würde.

Als der Bürgermeister ihn über den Zuschlag informieren wollte, nahm Göb jedoch sein Angebot zurück. Als Grund nannte er einen Bericht der Lokalzeitung Nordbayerische Nachrichten, die kurz vorher über neue Pläne des Gastwirts geschrieben hatte.

Am 9. Juni soll im Gasthof Göb wieder mal eine Nazirock-Party steigen. Auftreten sollen „Absurd“ (Deutschland), „Blessed in Sin“ und „Finis Gloria Dei“ (beide Frankreich) und „Funeral Winds“ (Niederlande), die durchweg zur Szene des sogenannten „National Socialist Black Metal“ (NSBM) gehören.

Damit lässt sich in Mittelfranken offenbar besser Kasse machen als mit Kindergarten-Essen. Die Gremsdorfer werden sich etwas einfallen lassen müssen, um den befürchteten schlechten Ruf loszuwerden.

 

 

 


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