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Apr
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Rechtsextremer Black Metal und Szene in Österreich

Artikel über rechtsextremen Black Metal

Zur Entstehung des „Black Metal“

Black Metal ist eine Form des „Heavy Metal“, die in den frühen 1980er Jahren entstand. Die ersten „Black-Metal“-Bands setzten sich noch kaum mit der Thematik des Satanismus oder des germanischen Heidentums auseinander, in einer zweiten Entwicklungsphase Anfang der 1990er, die vor allem in Norwegen stattfand, nahmen einige Bands ein „satanistisches“, demonstrativ „böses“ Image an.

Mit Vergewaltigungen, Morden und dem Anzünden von Kirchen wurde bewiesen, dass es sich nicht nur um ein Image handelte. Eines dieser Black-Metal-Projekte war „Burzum“, das von Christian „Varg“ Vikernes betrieben wurde. Er beteiligte sich an mehreren Brandstiftungen und ermordete ein Mitglied einer anderen Black-Metal-Band. Vikernes wurde daraufhin zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt und wandte sich im Gefängnis immer mehr dem Neonazismus zu. Er gründete die „Norwegische Heidnische Front“, die der Vorläufer der „Allgermanischen Heidnischen Front“ (AHF), einer völkisch-heidnischen Organisation, die über „Divisionen“ in mehreren Ländern Nordeuropas, Russlands, Nordamerikas und des Baltikums verfügt, ist. In diesem Zusammenhang kam es zur Entstehung des Begriffes „National Socialist Black Metal“ (NSBM) und somit zur Gründung einer Subkultur innerhalb des „Black Metals“, der nicht pauschal als rechtsextrem oder neonazistisch angesehen werden kann.

„Burzum“ wurde zur Kultband und zum Vorbild für diverse NSBM-Bands, die sich nun formierten. Die genannte, neuheidnische AHF sieht sich selbst als „soziale Bewegung“ und hat sich der „Blut und Boden“-Ideologie verschrieben. In rassistischer Manier lehnt sie eine „Vermischung“ von „Menschenarten“ ab und betont deren „naturgegebene Verschiedenheit“. Die deutsche „Division“ der „AHF“ wurde u. a. von dem deutschen Neonazi Hendrik Möbus, dem ehemaligen Sänger der NSBM-Band „Absurd“, der ebenfalls an einem Mord beteiligt war, gegründet. Auch diese Band, deren Sänger nunmehr der Bruder von Hendrik Möbus ist, genießt in der NSBM-Szene absoluten Kultstatus. Somit ist auch hier die Verbindung des NSBM zu rechtsextremen Organisationen wie der AHF festzustellen.

Ideologie

Die Grundlage der Ideologie des NSBM ist das (Neu-)Heidentum bzw. der (Neo-)Paganismus in diversen Formen wie zB dem nordgermanischen „Asatru“ oder „Wotanismus“/“Odalismus“. Auch andere esoterische und okkulte Konzepte, die wie das (Neu-)Heidentum im NSBM rassistisch, neonationalsozialistisch und antisemitisch ausgelegt werden, kommen vor.

Generell wird das Neuheidentum als Wiederbelebung einer vorchristlichen Religion gesehen. Es gibt mehrere verschiedene Richtungen innerhalb des (Neu-)Heidentums, wobei sich viele von jeglicher Form des politischen Extremismus distanzieren, während sie vom NSBM bzw. von anderen rechtsextremen Bewegungen für ihre Zwecke instrumentalisiert wird. Vertreter der „Neuen Rechten“ wie der französische Rechtsextremist Alain de Benoist oder der Betreiber des rechtsextremen „Thule-Seminars“ Pierre Krebs sind deklarierte Anhänger des Neuheidentums und v ersuchen über dieses, ihre faschistische Ideologie zu transportieren. Bei ihnen spielen die Natur, Naturgötter und -göttinnen, diverse Kulte wie zB Sonnwendfeiern, Kritik an Aufklärung und den universalen Menschenrechten sowie die Ablehnung monotheistischer Religionen wie Christentum oder Islam eine zentrale Rolle, ebenso der Antisemitismus. Diese Religion war auch für die Nationalsozialisten interessant: Heinrich Himmler war ein begeisterter Anhänger des (germanischen) Heidentums, welches durch die ideologische Vorarbeit der „Ariosophen“ wie Guido von List, Lanz von Liebenfels oder Rudolf John Gorsleben bereits mit einem „arischen“ Rassismus verknüpft worden war. Aber auch für ökologische, linksalternative und feministische Gruppen bietet das Neuheidentum heute vermeintlich inhaltliche Anknüpfungspunkte, über die rechtes Gedankengut einsickern kann.

Das Neuheidentum wird im NSBM teilweise mit dem Satanismus verbunden, wobei Satan als „Urvater“ oder Erschaffer der „Arier“ als Gegenstück zu Jehova, dem jüdisch-christlichen Gott und Stammvater der Juden, gesehen wird.

Christentum und Judentum werden als zusammengehörig betrachtet, wobei das Christentum in antisemitischer Manier als Marionette der „jüdischen Weltverschwörung“ angesehen wird, häufig taucht der Begriff „Judäo-Christentum“ auf. Vermischt wird diese Ideologie mit der Verherrlichung von Gewalt sowie des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen. Hakenkreuze, germanische Runen, Keltenkreuze, Pentagramme und verkehrte Kreuze gehören zu den identitätsstiftenden Symbolen der Szene (manche dieser Symbole werden auch von Black-Metal-Bands verwendet, die nicht dem NSBM angehören). Der Holocaust an den Juden, der von vielen neonazistischen Gruppierungen geleugnet oder relativiert wird, wird als „notwendiger Schicksalskampf des arischen Volkes“ angesehen. Demokratie, Humanismus und Aufklärung gelten als Teil des (monotheistischen) Christentums und werden somit abgelehnt sowie durch den heidnisch germanischen Polytheismus, der mit einem sozialdarwinistischen Ausleseprinzip verbunden wird, ersetzt.

Aktivitäten

Heute gibt es eine international organisierte NSBM-Szene, die vorwiegend konspirativ agiert. Zentren dieser rechtsextremen Subkultur liegen in Deutschland, Weißrussland, Russland, Ukraine, Polen, Griechenland, Frankreich usw. Die Szene verfügt über zahlreiche Kontakte und teilweise sogar personelle Überschneidungen zu internationalen Neonazi-Organisationen wie zB „Blood and Honour“. So hat sich zB im deutschen Bundesland Thüringen eine enge Zusammenarbeit zwischen NSBM-Bands sowie -plattenlabels und neonazistischen Skinhead-Bands sowie Mitgliedern von „Blood and Honour“ entwickelt. Im Internet finden sich zahlreiche einschlägige Plattenlabels und Anbieter für Tonträger von NSBM-Bands, die häufig neben unpolitischem Black Metal verkauft werden. Sogar bei „Amazon“ werden Tonträger etwa von „Burzum“ angeboten. Ein wichtiges Netzwerk innerhalb der internationalen NSBM-Szene ist die neonazistische „Pagan Front.“

Österreichische Szene

In Österreich gibt es kaum Bands, die sich selbst als „NSBM“ bezeichnen, jedoch einige Versände, die Tonträger von NSBM-Bands vertreiben. So sind beim „Irdenwerk Versand“ aus Oberösterreich diverse Tonträger von NSBM-Bands wie „Bilskirnir“, „Draugurz“, „Seigneur Voland“, „Kristallnacht“ und vielen anderen erhältlich. Auch Konzerte mit Bands, die sich im Graubereich des NSBM bewegen und/oder rechtsextremes Gedankengut vertreten, finden immer wieder statt. So organisierte zB der Veranstalter „Brutal Arts Tyrol“ vom 14. bis 15. Oktober 2005 im Innsbrucker Lokal „Hafen“ zum zweiten Mal das „Misanthropic Violence Festival“, bei dem unter anderem die Bands „Eternity“ (D), „Horna“ (Finnland), „Watain“ (Schweden), und „Inquisition“ (USA) auftraten. Der Sänger und Bassist von „Watain“ bezeichnete in einem Interview Geld als ein „jüdische Waffe“, „Eternity“ meinten zum Thema Holocaust: „Tolle Sache! Eine spezielle Abart davon ist doch der Alkoholocaust!!??“. „Shatraug“, der Sänger und Gitarrist von „Horna“, unterstützt laut eigener Aussage viele „NS Bands aufgrund der Qualität, die sie in der Musik bieten und wegen dem Intellekt der jeweiligen Personen“. „Dagon“ von „Inquisition“ denkt über das Töten von Christen, Juden „und anderer Insekten“ nach. Eine Pressemitteilung, in der ein breites antifaschistisches Bündnis (rd. 25 lokale Initiativen und Vereine) seinen Protest gegen dieses Festival ausdrückte, wurde von den Medien ignoriert.

Beim vom Label „Ashen Productions“ und der Internet-Zeitschrift „Blackmetal.at“ veranstalteten „Dunkelheit“-Festival, das Anfang September 2005 in Graz stattfand, hätte neben einigen anderen Bands aus dem Graubereich des Rechtsextremismus die deutsche Band „Nachtfalke“, die sich selbst als „NS-Viking-Metal“, die einen Tonträger mit dem Titel „Hail Victory Teutonia“ vertreibt und deren Frontmann die Deutschen als „Herrenrasse“ bezeichnete, auftreten sollen. Das Festival war ursprünglich zweitägig und in Niederhollabrunn (NÖ) geplant, nach Protesten musste man nach Graz ausweichen und konnte das Festival nur einen Tag veranstalten. Einige Bands – darunter „Nachtfalke“ – mussten absagen, dennoch konnte die italienische Band „Gosforth“ auftreten, die in einem Interview meinte, der Holocaust sei „ein guter Weg, um Abschaum zu eliminieren“.

Im März 2004 fand in einem Wiener Lokal ein Konzert mit den deutschen NSBM-Bands „Totenburg“ und „Absurd“ statt. Auch einige österreichische Bands bewegen sich im Graubereich des Rechtsextremismus, indem sie bei NSBM-Labels ihre Tonträger produzieren oder gemeinsam mit einschlägigen Bands bei Konzerten auftreten. So war bei dem Konzert in Wien und beim „Dunkelheit Festival“ die Wiener Band „Stormnatt“, die Tonträger bei den rechtsextremen Labels „Eichenlaub Propaganda“ und „Total Holocaust Records“ produziert hat, mit von der Partie.

Das Black-Metal-Projekt „Woodtemple“ aus Steyr, Oberösterreich, das eigentlich nur aus dem Frontmann „Aramath“ besteht, steht in engem Kontakt mit der NSBM-Band „Graveland“. „Aramath“ bezeichnet Robert Fudali, den Frontmann von „Graveland“ als seinen besten Freund, grüsst in einem Interview mit „Sieg Heil“ und „Blood and Honour“ und bringt seine Solidarität für die NSBM-Szene zum Ausdruck. Die österreichische Black-Metal-Szene, die ihm zu wenig NSBM-orientiert ist, bezeichnet er hingegen als „fucking Jew Austrian bands“.

Quellen: http://www.turnitdown.de http://de.wikipedia.org/
Literaturtipp: Christian Dornbusch, Hans-Peter Killguss Unheilige Allianzen Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus ISBN: 3-89771-817-0

Verfasst von Infoladen Wels, nachzulesen auch in Malmoe Nr. 29 !
Quelle: http://www.infoladen-wels.at/print/aktuelles/mehr.php?no=19


2 Responses to “Rechtsextremer Black Metal und Szene in Österreich”


  1. 1 Hannah
    November 10, 2010 um 8:25 pm

    Ich finde es ziemlich witzig oder eigentlich traurig wie wenig ahnung du von der black metal szene hast und wie du ohne Scham einfach Black Metal mit NSBM in einen Topf wirfst.

    Ich bin zufälligerweise Kommunistin und Antifaschistin und höre selbst Black Metal.

    Black Metal ist nicht per se rechts und schon gar nicht per se nationalsozialistisch.
    Es gibt sogar dezidiert linke bzw anarchistische black metal bands wie wolves in the throne room, skagos, panopticon etc. und die meisten europäischen bands distanzieren sich ganz klar vom NSBM.
    Wenn du schon einen Artikel über NSBM schreibst dann recherchiere wenigstens gscheit und ordentlich, das ist ja peinlich, damit spielst du den rechten nur in die hände.

  2. 2 fightfascism
    November 11, 2010 um 3:26 pm

    kanns sein, dass du folgenden satz im artikel einfach überlesen hast: „(…) somit zur Gründung einer Subkultur innerhalb des „Black Metals“, der nicht pauschal als rechtsextrem oder neonazistisch angesehen werden kann.“ niemand behauptet hier, dass black metal per se rechtsextrem oder gar neonazistisch ist. grundtendenzen, die rechtsextremen in die hände spielen, wie nationalismus, chauvinismus, gewaltverherrlichung, homophobie, frauenverachtung, elitäres denken, sind aber sehr wohl bei sehr vielen – auch „unpolitischen“ – bands vorhanden. die linken bzw. anarchistischen bands kann man wahrscheinlich an zwei händen abzählen. dem gegenüber stehen dutzende neonazi-bands und wahrscheinlich hunderte bands, die ein sehr diffuses verhältnis zum thema rechtsextremismus haben. zahlreiche sogenannte „unpolitische“ bands stehen beispielsweise bei rechten bis neonazistischen labels unter vertrag, da gibt es sehr wenig berührungsängste. sogenannte distanzierungen sind oft nicht ernst gemeint oder erfolgen erst dann, wenn mal die nazi-kontakte von bands öffentlich geworden sind.


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