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Apr
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Oktober 2006 – Drittes „Calling for Battle“-Konzert

Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr und in Folge findet im Oktober das sogenannte „Calling for Battle“-Black-Metal-Konzert statt, das von dem Online-Magazin „Final War“ veranstaltet wird. Wie bei den ersten beiden Konzertterminen wird auch diesmal wieder Musikgruppen aus dem neonazistischen Flügel der Szene eine Auftrittsmöglichkeit geboten.

Im März spielten in Sachsen u. a. die extrem rechte Bands „Kriegsmaschine“ aus Polen und die neonazistische deutsche Band NACHTFALKE. Auch die Bands „Krater“ und „Holmgang“, die ebenfalls auftraten, bewegen sich im extrem rechten Spektrum der Black-Metal-Szene. Dieses Konzert konnte aufgrund von antifaschistischen Protesten nicht am ursprünglichen Veranstaltungsort stattfinden und wurde schliesslich an einem geheim gehaltenen Ort durchgeführt (1).

Zwei Monate später, am 27. Mai, traten im Lokal des einschlägig bekannten Labels „Front Records“ in Wurzen (Sachsen, Inhaber: Thomas Persdorf) erneut die Band NACHTFALKE sowie u. a. die neonazistische Band „Moontower“ aus Polen und die extrem rechte Band „Inferno“ aus Tschechien auf (2).

Bereits am Bahnhof eintreffende Black-Metal-Fans grüssten sich mit dem „Hitlergruss“ (3), weitere eindeutige Gesten konnten von einem anwesenden Fernsehteam der ARD dann auf dem Konzert selbst beobachtet werden (4). In der Pause zwischen den Bands wurde von einigen Konzertbesuchern ein Auszug aus dem Lied „Polacken-Tango“ der Neonaziband „Landser“ angestimmt:

„Wenn bei Danzig die Polenflotte im Meer versinkt und das Deutschlandlied auf der Marienburg erklingt. Dann zieht die Wehrmacht mit ihren Panzern in Breslau ein und dann kehrt Deutschlands Osten endlich wieder heim. (5)“

Die deutsche Band SUICIDE SOLUTION punktete bei den Fans mit einer Cover-Version des Liedes „Schwarze Sonne“ der neonazistischen Band „Genocide“.

Trotz alledem wurde das Konzert von der Polizei nicht aufgelöst. Nicht in dieses Bild und zur ideologischen Ausrichtung eines Großteiles der auftretenden Bands passt der unpolitische Anstrich, den sich die Konzertveranstalter geben: Auf der „Calling for Battle“-Homepage wird abgestritten, dass man eine „nationalsozialistische“ oder irgendeine andere politische Einstellung habe, Rassismus werde ebenso angelehnt. Ähnliches wird auf der Seite des „Final War“-Magazines geschrieben: man unterstütze „in keinster Weise ‚NSBM‘ [„National Socialist Black Metal“, Anmerkung] oder sonstigen Quatsch“.

Auch beim aktuellen dritten Konzert aus dieser Reihe mangelt es nicht an neonazistischer und extrem rechter Prominenz. So soll diesmal die polnische NSBM-Band „Thunderbolt“ auftreten. Bereits im Jänner 2006 hätte die Band in Schönebeck spielen sollen, man war aber aufgrund antifaschistischer Proteste gescheitert (6). Mit dabei sind unter anderem auch wieder die Bands „Kriegsmaschine“ und „Inferno“. Das Konzert soll diesmal im Club „Hagalaz“ in Elterlein (Sachsen) stattfinden, wo „Thunderbolt“ schon einmal im Juli 2004 auftreten konnten. Der Club bot in der Vergangenheit aber auch anderen neonazistischen Bands wie zB „Magog“ eine Auftrittsmöglichkeit (7).

(1)http://de.indymedia.org//2006/03/141694.shtml
(2)http://de.indymedia.org//2006/05/146939.shtml
siehe auch Fernsehsendung „Panorama“: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2006/t_cid-2826668_.html
3)http://www.ndk-wurzen.de/modules/wfsection/article.php?page=1&articleid=387
(4)http://www.ndrtv.de/panorama/data/panorama_nazibands.pdf
(5)Ebenda
(6)http://de.indymedia.org//2005/12/135615.shtml
(7)http://www.turnitdown.de/211.98.html

Im folgenden finden sich noch einige genauere Informationen zu den auftretenden Musikgruppen:

THUNDERBOLT:

‚Thunderbolt‘, eine bekannte neonazistische Black-Metal-Band aus Polen,
distanziert sich seit einiger Zeit vom NSBM und streitet jegliche
Verbindung zur NSBM-Szene ab. So meint die Band in einem Interview:
‚Thunderbolt since its beginning was the Satanic band. We have NOTHING in
common with this so-called NSBM scene since 5 years or so…‘. In einem
anderen Interview (2002!) wird ‚Paimon‘ von ‚Thunderbolt‘ darauf
angesprochen, dass polnischer NSBM ein Widerspruch sei, weil die
deutschen Nationalsozialisten die Polen als ‚Untermenschen‘ sahen. Er
reagiert folgendermaßen: ‚Was wissen denn diese Leute schon, die jetzt
über UNS lachen, über die polnische NSBM-Szene? Nichts! Du kannst davon
ausgehen, dass ich mich noch nie als Deutschen gesehen habe. Abgesehen
davon ist sich die polnische NSBM-Szene sehr wohl der Meinung Hitlers
über Polen und Slawen bewusst… Polnischer Nationalsozialismus ist
polnischer Nationalsozialismus. So einfach ist das.‘ (zitiert in
Dornbusch/Killguss 2005, Seite 243)

Die „Thunderbolt“-Mitglieder sind/waren in diversen anderen Neonazibands aktiv: „Paimon“ spielt(e) auch bei „Swastyka“ (zu deutsch: Hakenkreuz), „Legacy of Blood“ und „Veles“. „Stormblast“ spielte bei der Neonaziband „Honor.“ Auch spielen Stormblast‘ und der „Thunderbolt“-Bassist ‚Triumphator‘ in der NSBM-Band ‚Infernal War‘, die auch unter dem Namen
‚Infernal SS‘ bekannt ist. Das Repertoire dieser Band verfügt über Lieder
wie ‚ Czarne Legiony SS (Black Legions of SS)‘, ‚Jewhammer‘, ‚Genocide
Command‘ etc. Der Tonträger ‚Infernal War‘ (2004) zeigt auf seinem Cover
ein Bild mit abgemagerten Leichen, das an Fotos aus Konzentrationslagern
erinnert. http://www.metal-archives.com/images/47843.jpeg
Ein T-Shirt der Band trug auf der Rückseite den Schriftzug ‚Pure Elite
Aryan Terror‘. Ein Bandkollege von „Triumphator“ und „Stormblast“ plaudert in einem Interview munter über die Ideologie der Band „Infernal War“:

‚Warcrimer‘ : ‚… our lyrics deal mostly with destruction of
judeo-christianity.‘
Über den Holocaust an den Juden: ‚Holocaust: myth, nothing more. I don`t
claim that no jew died in concentration camp, but the number of 6
millions is ridiculous. But some day it will be true.‘
http://www.mz.art.pl/interviews/infernal_war.htm

Interviewer: „Auf Eurer Split-EP mit Inferno ist eine Stellungnahme, in der Ihr sagt, dass ihr nichts mit Nazismus oder NS zu tun habt. Aber ich verstehe hier eines nicht… Auf dem Cover der EP ist ein Foto aus dem 2. Weltkrieg, das einen Haufen von Körpern zeigt, einer Eurer älteren Lieder ist über die Schutzstaffel Hitlers… Ich habe auch gehört dass einige von Euch persönlich noch immer die NS-Ideologie unterstützen. Wie ist das wirklich?“

„Warcrimer“: „Diese Stellungnahme bedeutet dass wir keine politische Band sind. Unsere Liedtexte behandeln die Zerstörung des Christentums – manchmal mit Ereignissen des 2. Weltkrieges vermischt (wie im Lied „Czarne Legiony SS“). Ist es Politik, über den judeo-christlichen Völkermord und die Vernichtung der heutigen, degenerierten, multikulturellen Welt zu singen? Ich denke nicht. Es ist keine Sache des Kompromisses, es ist eine Frage des Konzepts. Wir haben unsere Ansichten über nichts geändert. Sieg heil!“

Interviewer: „Euer erstes offizielles T-Shirt hat die Aufschrift „Pure Elite Aryan Terror“ auf der Rückseite. Was versteht Ihr unter diesem Statement? Ihr wisst sicher, dass Ihr aufgrund dessen als NSBM gesehen werden könnt? Was ist der Grund, dass Ihr die Rückseite des zweiten T-Shirts geändert habt?“

„Warcrimer“: „Dieses Statement soll so verstanden werden, wie es dort geschrieben steht. Ganz einfach. Doch ich sehe Infernal War überhaupt nicht als NSBM Band. Es gab keinen Grund, irgendetwas am zweiten T-Shirt zu ändern. Der einzige Grund war, dass wir nicht noch einmal das gleiche T-Shirt wollten.

Interviewer: „Was denkt Ihr über die moderne Gesellschaft, ihre falschen „Werte“, die politischen Aspekte der heutigen Welt und die Spannungen, die zwischen dem Mittleren Osten und der Amerikanischen „Cowboys der Welt“-Regierung?“

„Infernal War“: „Die moderne Gesellschaft mit all ihren „Werten“ verdient die Gaskammer. Politische Aspekte der heutigen modernen Welt machen mich krank, nicht mehr – politisch korrekter, korrupter, wertloser Zirkus. Die Spannung die zwischen dem Mittleren Osten und den USA wächst, ist leicht zu verstehen. Sie (USA) brauchen Öl und möchten ihren Überschuss an Waffen abbauen, um eine ökonomische Krise und zu vermeiden und der Krieg gegen den Terrorismus ist ein guter Vorwand um es zu tun und mir wird schlecht wenn ich höre, dass unser großartiger Präsident (Jude, nebenbei gesagt) Hilfe für Amerika verkündet. Nebenbei hat sich Jew.S.A. viel zu lang in viele Dinge eingemischt.“

Im September 2003 traten „Infernal War“ auf einem Konzert unter dem Motto „Aryan Black Metal Night“ unter anderem mit der neonazistischen Band „Sunwheel“ auf.

INFERNO

Ein Tonträger dieser Band wurde im Jahr 2003 in Kooperation mit der NSBM-Band „Infernal War“ produziert. Eine andere Veröffentlichung erschien bei dem neonazistischen Label „Ravenheart“. Der Betreiber dieses Labels, „Ulvberth“, spielt zusammen mit dem Schlagzeuger von „Inferno“ in der NSBM-Band „Silva Nigra“. Auch mit dem Sänger von „Inferno“, „Adramelech“, versteht sich „Ulvberth“ offensichtlich ganz gut. Zumindest produzierten sie gemeinsam ein T-Shirt für die Band „Infernal War“ mit der Aufschrift „Pure Elite Aryan Terror“. „Ulvberth“ widerspricht sich in einem Interview mehrmals selbst: „… Silva Nigra ist keine NSBM-Band. Der Nationalsozialismus ist mein inneres Gedankengut. Aber ich höre auch viele NSBM-Bands, zB Absurd, Pantheon, Selbstmord, Kaiadas, Der Stürmer, Capricornus, Thor’s Hammer etc…. Nationalsozialismus ist richtige Lebensideologie in dieser korrupten Welt! Aber neue NS Ideologie, keine antislawische Ideologie von A. Hitler. Viele Fehler wurden beendet während des Zweiten Weltkriegs, aber Probleme mit Juden, Zigeunern konnten gelöst werden. Es ist das Gesetz der Natur, nur stärkere werden überleben!!!…“ und weiter: „… Ich habe nur die Vorstellung, dass das Christentum, Judentum, Muslime zerstört werden müssen, total zerstört. Alles jüdische und das Christentum lügen!!!…“

KRIEGSMASCHINE:

Der Kriegsmaschine-Tonträger „A Thousand Voices“ wurde von dem polnischen Label „Blutreinheit-Productions“/“Monstrous Star“, bei dem bereits etliche neonazistische Bands wie „Thor’s Hammer“, „Galgenberg“, „Fullmoon“, „Satanic Warmaster“ etc. unter Vertrag standen, produziert. Auch die deutschen Bands „The true Frost“, “ Aryan Blood“, „Flammentod“ und „Nordreich“ produzierten gemeinsam einen Tonträger bei diesem Label (Dornbusch/Killguss 2005, „Unheilige Allianzen“ Seite 206).

„M“, der Sänger und Gitarrist von „Kriegsmaschine“, spielt zusammen mit dem Ex-Schlagzeuger von „Kriegsmaschine“ in der Band „Mgla“. Im Lied „Power and Will I“ auf dem Tonträger „Crushing The Holy Trinity (Holy Spirit)“ singt der Sänger: „Schlag die Scheisse aus dem Körper eines bestimmten toten Juden“.

„Kriegsmaschine“ traten bereits mehrmals mit neonazistischen Bands wie „Nokturnal Mortum“ oder „Infernal War“ bei Konzerten auf.


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