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Apr
07

Hakenkreuz und Hitlergrüsse bei TAAKE-Konzert

Bei einem Konzert am 21.03.2007 mit den Bands TAAKE, URGEHAL und KOLDBRANN im „Turock“ in Essen (D) kam es zu einem Skandal: Der Sänger der norwegischen Band TAAKE, Ørjan Stedjeberg, trat mit einem auf die Brust gemalten Hakenkreuz auf.

Auch Hitler-Grüsse und Konzertbesucher, die T-Shirts von einschlägigen Bands trugen, waren bei dem Konzert anzutreffen. Nichtsdestotrotz streitet die Band ab, eine politische Band oder gar eine Naziband zu sein. Es handele sich dabei lediglich um Provokation, für den Rest der Tour würde man derartige Symbole zensieren. Auch entschuldigt man schon im vorhinein für eventuell aufgrund des Skandals auftauchende Probleme bei anderen Clubs. Dies gelte jedoch nicht für den „Untermenschen“ des „Turock“ in Essen, für diesen hat man nur folgende Äußerung übrig: „you can go suck a Muslim“. (http://i10.tinypic.com/34qr09d.jpg)

Die Reaktion des Veranstaltungsortes lässt hoffen, dass in Zukunft solchen Bands keine Bühne mehr geboten wird: „(…)
Wir haben überhaupt kein Verständnis für solchen Abschaum.
Wir haben das bestmöglich getan die Show so früh wie möglich
abzubrechen.
Leider kann man bei 300 Personen im Saal nicht die Show direkt
abbrechen.
Entschuldigung dass es so lange gedauert hat.
Wir werden demnächst uns die Bands noch genauer Ansehen bevor sie bei
uns auftreten dürfen. (…)
Es gab im Backstage auch noch richtig Ärger, indem die Herrschaften
sofort Hausverbot bekommen haben und die tour wahrscheinlich auch
abgebrochen wird.
(…) dass wir nichts von solcher Gesinnung
gewusst haben. Auf demnächst faschofreie Konzerte“

Die Tour von TAAKE wird auch von der Band URGEHAL unterstützt. Im Buch „Unheilige Allianzen – Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus“ findet sich zu dieser Band folgende Textstelle: „Mit der Idee einer quasi naturgegebenen Entsprechung von Mensch und Religion wird der Kontext geschaffen für die Überführung des antichristlichen Reflexes in eine Haltung, die sich – im Unterschied zu einem explizit rechten Auftreten – ihres Rassismus und Antisemitismus gar nicht mehr bewusst ist. Dies gilt beispielsweise auch für das Lied The Satumine Denomination der norwegischen Band Urgehal. Wipe the Jewish mess, fucking zionist disciples. Semite rabbi, I exceed excessive pain for you heißt es darin. Zionismus bezeichnet hier nicht eine politische Idee, sondern steht als Synonym für „den Juden“ schlechthin. Deutlich tritt das auch im Interview mit der BAnd im rechten Fanzine Satanic Terror hervor. Der Bandleader Trondr Nefas schwafelt dort von der Existenz einer „zionistischen Konspirität“, die eine reale Gefahr darstelle (Quelle: Satanic Terror Magazine, Nr. 1, 1999). Dahinter verbirgt sich die seit über hundert Jahren bekannte antisemitische Wahnvorstellung einer angeblichen „jüdischen Weltverschwörung“.
Quelle: Killguss/ Dornbusch 2005 (Unheilige Allianzen), Seite 93-94

Der Tonträger, auf dem sich das antisemitische Lied befindet, wurde bei dem neonazitischen Label „No Colours Records“ produziert. Der Sänger („Trondr Nefas“) und Schlagzeuger („Uruz“) von „Urgehal“ spielen auch in der Band „Vulture Lord“. Auf deren Tonträger „Profane Prayer“ finden sich Lieder wie „The final solution“ („Die Endlösung“) oder „Prelude to the second Holocaust“. Zusätzlich dürfte die Band einen extremen Hass auf Frauen haben: Der Tonträger „Desire for the Dead“ von „Vulture Lord“ zeigt auf seinem Cover drei nackte und enthauptete Frauenleichen.

Beim Konzert der drei Bands im Lokal „Escape“ in Wien wurde ein Verkaufstisch des rechtsextremen Labels und Versandes „Warfront Productions“ angekündigt. Mehr zu diesem Label hier: http://antifainfoportal.an.ohost.de/recherche/warfront.html

Auch die Schwedische Band SHINING sorgte bei einem Konzert im Februar 2007 im Lokal „Diezel“ in Halmstad (Schweden) für Aufsehen. Das mit Kunstblut übergossene Bandmitglied Sven-Erik Kristiansen (Ex-Sänger der Band MAYHEM) trat mit einem in die Stirn eingeritzten Hakenkreuz mit der Band auf.

In einem Interview auf diesen Vorfall angesprochen, gibt „Kvarforth“ – Frontmann von „Shining“ – nur knapp zur Antwort: „Zu allererst war es Maniac der sich ein Hakenkreuz in seine Stirn geritzt hat und nicht ich. Er ist diese Nacht mit uns aufgetreten und, verdammte Scheiße, ich bin kein fucking Kindergarten-Lehrer, weißt du. Was er tut ist seine eigene Sache.“ (Interview mit dem „Tinnitus Music Webzine“, Mai 2008)


5 Responses to “Hakenkreuz und Hitlergrüsse bei TAAKE-Konzert”


  1. 1 Hass
    Dezember 28, 2010 um 10:56 pm

    Bei allem Verständnis (mich kotzt das ganze Nazi- und NSBM-Gesindel auch an, da es einfach nur nervt), aber man kann es auch übertreiben. No Colours Records ist nicht gleich ein neonazistisches Label, nur weil es auch ein paar NSBM-Bands unter Vertrag hat! Des weiteren muss man sich immer, wenn man über Black Metal schreibt, im Klaren sein, dass diese Kultur IMMER extremes Gedankengut vertritt, deshalb kann man auch nicht einfach daraus, dass auf einem Albumcover von TAAKE geköpfte Frauen zu sehen sin, schlussfolgern, dass diese Band extrem misogynisch gesinnt ist. Außerdem ist der Black Metal in der Regel gegen ALLE Religionen (außer Satanismus natürlich🙂 ) und daher auch antisemitisch, was natürlich überhaupt nicht das gleiche wie neonazistisch bedeutet. Die Verwendung des Begriffs „Holocaust“ kommt in Titeln von Bands, Alben und Liedern innerhalb des Black Metals sehr häufig vor; mit ihr ist aber meistens ein „totaler Holocaust“, also eine Ausrottung aller (religiöser) Menschen gemeint, weswegen auch das nicht gleich als neonazistisch interpretiert werden sollte.

    Gruß

  2. 2 fightfascism
    Dezember 29, 2010 um 9:48 am

    wenn ein label ganz bewußt neonazistischen schrott vertreibt und damit geld macht, sollten sich die inhaberInnen nicht wundern, wenn es zu solchen bezeichnungen kommt. black metal ist so ziemlich gegen alles und jeden. wenn berechtigte kritik am (extrem rechten) black metal laut wird, geht dann aber das gejaule los, irgendwie ist das ein widerspruch. die judenfeindlichkeit im black metal ist wohl sehr häufig antisemitisch, d.h. rassistisch und weniger religionskritisch motiviert. unter dem begriff „holocaust“ wird generell die millionenfache vernichtung der juden und jüdinnen verstanden. viele, aber nicht alle bands, beziehen sich mit der verwendung des begriffes ganz bewusst und positiv auf die ns-morde. und mal ganz nebenbei: wer ständig den massenmord fordert, sollte sich nicht aufregen, wenn auch er selbst „bekämpft“ wird.

  3. 3 lisa
    April 6, 2013 um 8:34 am

    so etwas ist einfach nur… ich finde keine worte dafür so ein dreck!

  4. 4 Henry Wedekind
    Mai 23, 2014 um 5:36 pm

    Also ich war erst letzte Woche bei einem Taake Konzert. Da war Nichts aber auch Garnichts von solchen Tendenzen zu erkennen. Ich möchte den Auftritt von damals keines Weges rechtfertigen, das war grober Unfug und die Reaktionen waren ja auch deutlich. Mir könnte die Band ja scheißegal sein, wenn sie musikalisch nicht so relevant wären. Ich bin sogar der Meinung, dass sie 2011 das beste Black Metal Album aller Zeiten abgeliefert haben. Darum kämpfe ich um diese Band, weil wir sie unmöglich diesen Nazi- Arschlöchern überlassen dürfen. Ich denke, dass wir das auch geschafft haben.


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