29
Apr
07

April 2006 – Morrigan im Lindenhof Ellrich

Am 29.04.2006 fand im Kulturzentrum „Lindenhof“ in Ellrich (Thüringen) ein Konzert mit mehreren „Black-Metal“-Musikgruppen statt. Einige der Bands fallen dadurch auf, dass sie sich in einem Naheverhältnis zum neonazistischen Flügel der Szene befinden. Es stellt sich angesichts der vorliegenden Fakten (siehe im folgenden) die Frage, ob solchen Musikgruppen eine Bühne geboten werden sollte.

MORRIGAN

„Morrigan“ haben keine Berührungsängste zu offen neonazistischen Musikgruppen: Im Jahr 2001 hätten sie beim „Berzerk Festival“, das vom Label „Pesten Productions“ des Neonazis Denis Schoner (Schlagzeuger der neonazistischen Band „Totenburg“) organisiert wurde, gemeinsam mit den neonazistischen Bands „Magog“, und eben „Totenburg“ auftreten sollen. Das Festival wurde jedoch abgesagt (Dornbusch/Killguss 2005: Unheilige Allianzen “ Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus, Seite 198/ siehe auch: http://de.indymedia.org//2002/01/13416.shtml

Ebenfalls gescheitert war im August 2005 ein Konzert gemeinsam mit der deutschen NSBM (‚National Socialist Black Metal‘)-Band „Absurd“ und der Band „Forgotten Darkness“ (Ebenda, 289).

In einem Interview (aus dem Jahr 2005) auf den engen Kontakt zu „Absurd“ und zur NSBM-Band „Totenburg“ sowie auf die Produktion von Tonträgern bei dem rechtsextremen Label „Westwall“ angesprochen, meint „Balor“, der Sänger von „Morrigan“, dass die Band keine Verbindungen zur NSBM-Szene habe. Weiters handle es sich bei den aktuellen Mitgliedern von „Absurd“ nicht um Nazis, sondern um Heiden. Bei „Totenburg“ verhalte es sich ähnlich, weil die Mitglieder dieser Band zur Live-Besetzung von „Absurd“ gehören. Wenn man sich mit der Musik und den Texten von Absurd befasse und sich sich mit den aktuellen Mitgliedern unterhalte, werde man schnell feststellen, dass da nichts Anstößiges zu finden sei http://www.bloodchamber.de/interview/m/140/

Um diese Aussage zu widerlegen, reicht es, einen Konzertflyer von „Absurd“ und „Totenburg“ aus dem Jahr 2004 zu betrachten, der mit einem Hakenkreuz „verziert“ ist. Seitdem ist es zu keinen wesentlichen Bandbesetzungs-Änderungen gekommen.
<%image(20130/20070310-konzertinathenderstuermergeaendert.jpg|290|400|null)%>

(Flyer für ein Konzert der neonazistischen Bands ABSURD, DER STÜRMER, TOTENBURG; Athen 2004)

Seitdem ist es zu keinen wesentlichen Bandbesetzungs-Änderungen gekommen.

„Totenburg“ hätten zwar (auf einem ihrer Tonträger, Anmerkung) Adolf Hitler gegrüsst, sie hätten aber keine rechten Liedtexte, verteidigt „Balor“ von MORRIGAN die neonazistische Musikgruppe. Ronald „Wolf“ Möbus (der aktuelle Sänger der Band ABSURD), den er persönlich kenne, sehe er nicht als einen Nazi, sondern eher als einen Heiden. (Interview „Ginungagap Webzine“ mit „Balor“ von MORRIGAN, 2004). Dazu ist anzumerken, dass Möbus im Jahr 2003 wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen und Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde (http://www.turnitdown.de/424.html).

Zuletzt spielten „Morrigan“ am 04. März 2006 bei einem Konzert zusammen mit „Totenburg“, „Absurd“ und „Forgotten Darkness“. Bei dem Konzert wurde laut einem Konzertbericht, der sich auf einer neonazistischen Online-Seite findet, eine israelische Flagge verbrannt. siehe auch: http://aida.open-lab.org/index.php?option=com_content&task=view&id=403&Itemid=216

Auch auf einem Konzert am 26. Februar 2005 in Gremsdorf, Landkreis Erlangen-Höchstadt waren „Morrigan“ laut einem Bericht des Bayrischen Verfassungsschutzes gemeinsam mit neonazistischen Gruppen wie „Absurd“ und „Blutaar“ vertreten. http://www.stmi.bayern.de/imperia/md/content/stmi/sicherheit/verfassungsschutz/verfassungsschutzberichte/verfsch_2005_hj.pdf

In einer Anfragenbeantwortung des Hessischen Landtages (Drucksache 16/6093 vom 29.09.2006) finden „Morrigan“ ebenfalls Erwähnung. Hier stehen sie in einer Liste mit rechtsextremen Bands wie „Rassenstolz“ und „Hauptkampflinie“. Ein Konzert im Jahr 2001, bei dem „Morrigan“ im Rahmen einer sogenannten „Geburtstagsfeier“ auftraten, wird ebenfalls angeführt.
Quelle: http://www.verfassungsschutz-hessen.de/downloads/LTDrs16_6093.pdf

In Ellrich war auch ein Auftritt der Bands „Darkestrah“ und „Fiend“ geplant:

DARKESTRAH
Diese Band steht bei dem neonazistischen Musiklabel „No Colours“ unter Vertrag.

FIEND:

Diese Band steht bei dem Label „Warfront Productions“ unter Vertrag. Die Plattenfirma kündigt auf ihrer Homepage die Veröffentlichung eines Tonträgers der neonazistischen Band ‚Amalek‘ oder der Band „Heimdalls Wacht“, deren Tonträger „Sturmböen“ von dem Internet-Magazin „Final war“ „NS-Symboliken“ nachgesagt werden, an. Auf der Homepage, auf der etliche Neonazi-Tonträger vertrieben werden, verwendeten ‚Warfront Productions‘ in der Vergangenheit ein Sonnenrad, auch ‚Schwarze Sonne‘ genannt – ein Symbol, das bereits von Nationalsozialisten zB in der Wewelsburg verwendet wurde und auch heute noch bei Neonazis und Rechtsextremisten großen Anklang findet.

Auf dem Konzert gab es einen Verkaufsstand des Labels „Obscure Abhorrence Productions“, das scheinbar auch der Veranstalter des Konzert ist und auf seiner Homepage unzählige Tonträger von neonazistischen Musikgruppen wie „Absurd“, „Bilskirnir“, „Capricornus“, „Nokturnal Mortum“ etc. vertreibt, geben.

Die Bands DARKESTRAH und FIEND sagten ab, stattdessen trat nun die Band „Kathaarian“ auf, deren Schlagzeuger („Zorrn“ bzw. „Propagan“) in den neonazistischen Bands „Magog“ und „Kraftschlag“ spielte. Auf dem Konzert coverten einige Mitglieder der Band das Lied „Todesweihe“ der Band „Magog“, was ebenfalls dazu beitrug, dass sich die Band antifaschistischer Kritik ausgesetzt sah. Nun hat sich die Band jedoch vom Rechtsextremismus und von dem rechtsextremen Label „Christhunt Productions“, bei dem man einen Tonträger produziert hat, distanziert und hat auch klar gestellt, dass es zukünftig das Spielen von Coverversionen von Neonaziliedern nicht mehr geben soll. Im folgenden die Stellungnahme von KATHAARIAN:

„Als Gründungsmitglied und Frontmann von Kathaarian möchte ich einiges klar stellen.
Kathaarian ist definitiv keine politisch ausgerichtete Band, da sich weder in meinen Texten, noch im gesamten Konzept der Band politische Einflüsse widerspiegeln. Das einzige was der Band angelastet wird, ist die Tatsache, dass der Ex-Schlagzeuger von Magog musikalisch aktiv bei Kathaarian mitwirkt, worin ich kein Problem sehe, da ich diese Person aus rein musikalischem Interesse ausgewählt habe. Er hat meiner Meinung nach die Fähigkeit sehr gut Schlagzeug zu spielen und das überzeugt mich.
Zur Zeit der Gründung wurde von Propagan (Zorrn – Ex-Magog) und mir beschlossen, eine Namensänderung durchzuführen, um nicht in politische Konflikte zu geraten – was leider fehlschlug.
Der Sinn, diese Konflikte zu vermeiden ist einfach: Er wollte damit keinen schlechten Einfluss mit in die Band einbringen.
Aufgetreten ist das Problem mit dem Erscheinen des ersten Albums von Kathaarian unter Christhunt Productions. Dieses Label hat Propagan als Ex-Magog Mitglied geoutet, um einen besseren Marktwert für sich zu erzielen.
Mein Fehler war es, diese Platte von diesem Label veröffentlichen zu lassen. Als sich das Problem mit dem politischen Verdacht verhärtete, habe ich diesem Label sofort entsagt. Weitere Tonträger werden nicht über Christhunt Productions erscheinen. Persönlicher Kontakt zu diesem Label hat von meiner Seite aus nicht bestanden und dadurch habe ich mich täuschen lassen. Politische Gedanken werden bei Kathaarian nicht geäußert, da sie nicht bestehen. In Bezug auf Kathaarian dulde ich keine politischen Gedanken.
Bei der Coverversion von Magog in Ellrich stand ich nicht mit auf der Bühne. Nach diesem Konzert in Ellrich habe ich das Spielen weiterer Lieder von Magog als Coverversion untersagt. So etwas wird es bei Kathaarian nicht mehr geben. Dadurch sollen weitere Probleme vermieden werden.
Ich möchte nicht, dass Kathaarian nur oberflächlich gesehen und damit schlecht gemacht wird, da dies ein Angriff auf meine Person als Gründer und Band ist.
Ich denke somit etwas Klarheit geschaffen zu haben und hoffe, dass die Band aus diesem schlechten Licht wieder raus kommt. Es sollten keine weiteren Bedenken mehr bestehen.
Kathaarian steht einfach nur für Metal Musik (ohne politische Gedanken).
(…) Band-Information: http://www.Kathaarian.com

Mit freundlichem Gruß
Nysrogh“


1 Response to “April 2006 – Morrigan im Lindenhof Ellrich”


  1. 1 TAKLAMAKAN
    August 30, 2007 um 2:35 pm

    DARKESTRAH have ended relationship with No Colours Records.

    “It seems some rumors in the Black Metal Scene “accuse” us of being a NS or Nazi band. This is not a statement to contradict or admit what no one dared to say in our face. This is just a personal statement on Darkestrah creed. We see the Black Metal we’re into as chance, as an opportunity for our personal spiritual emotions as individuals, with the final goal of alchemizing the soul. DARKESTRAH is NOT, and has been NEVER involved in any political movements“

    http://www.darkestrah.vze.com


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


Auf dieser Seite gehts darum, rechtsextreme und neonazistische Aktivitäten in der Metal- und Neofolk-Szene sowie in anderen Subkulturen aufzuzeigen und über einschlägige Bands, Labels usw. aber auch über antifaschistische Gegenaktivitäten zu informieren.

Follow me on Twitter

Blog Stats

  • 852,722 hits

RSS dokumentationsarchiv

  • just a short break – nur eine kurze pause
    Just a short break – we’ll be back in ten days – nur eine kurze Pause, wir sind in zehrn Tagen zurückFiled under: like
  • Hitlergruß am Fenster – #schauhin
    Aus seiner Wohnung heraus soll ein Bautzener vorbeilaufenden Nazis seine Sympathie bekundet haben – auf sehr spezielle Weise. Jetzt droht eine Gefängnisstrafe. Dutzende Nazis hatten im Januar 2015 in Bautzen gegen die Asylpolitik demonstriert – für einen heute 31-Jährigen könnte das jetzt noch empfindliche Konsequenzen haben. Der Mann, der in Österreich gebo […]

%d Bloggern gefällt das: