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Apr
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2006 – Proteste gegen Auftritte von Impaled Nazarene

Wegen ihrer homophoben Texte bekommt die finnische Black Metal-Band Impaled Nazarene Ärger mit antifaschistischen Gruppen und Schwulen- und Lesbenverbänden. Sechs Konzerte ihrer Deutschland- Tour wurden bereits abgesagt. Am 13.5. spielen sie in Berlin.

Dass es in der Metal-Szene, nicht nur im so genannten „Black Metal“, zum guten Ton gehört auch mal schärfere Töne anzuschlagen und Elemente faschistischer Ästhetik immer wieder gerne verwendet werden, sollte zumindest seit dem Erfolg von Rammstein allgemein bekannt sein. Außer kirchlichen Sektenbeauftragten lässt sich dadurch auch kaum noch jemand provozieren. Bei der 1990 in Finnland gegründeten Band Impaled Nazarene sieht das hingegen anders aus. Im Laufe ihrer „European Take Over“ – Tour 2006, die unter anderem 14 Auftritte in Deutschland vorsieht, gerät die Band aufgrund ihrer Texte nun in die Kritik. Schaut man sich die Texte etwas genauer an, wird dies verständlich. In dem Lied „Zero Tolerance“, auf dem 1999 erschienenen Live-Album „Death Comes In 26 Carefully Selected Pieces“ zu finden, heißt es etwa: Zero tolerance, no fucking rights/monkey fucks monkey punishment is AIDS/ It is digusting/Listen you fucking homo boys, your time has come/And if you are a lesbian, you still have a cunt to rape/It is unnatural.
Dass Leute es kritikwürdig finden, wenn ungehemmt zum Mord an Schwulen und zur Vergewaltigung von Lesben aufgerufen wird, kann die Band allerdings überhaupt nicht verstehen. Stattdessen werfen sie ihren Kritikern in Interviews vor, dass sie „nicht in der Lage“ seien, „Humor in gewissen Dingen zu sehen“. Außerdem seien besagte Songs schon längst aus dem Programm genommen und mensch solle sich doch bitte nicht so aufregen. Seltsam aber, dass im Internet ein Konzertbericht vom letzten Jahr kursiert, aus dem hervorgeht, dass auf einem Gig im Berliner Club K17 nicht nur „Zero Tolerance“, sondern auch das Lied „Total War – Winter War“ gespielt wurde, in dem dazu aufgefordert wird Kommunisten zu ermorden ( http://www.powermetal.de/content/konzert/show-664.html).

Sowohl lokale antifaschistische Gruppen als auch Schwulen- und Lesbenverbände mobilisieren nun, zum Teil erfolgreich, gegen die geplanten Auftritte. Bereits in 6 Städten wurden die Konzerte von Impaled Nazarene nach Protesten abgesagt. In Karlsruhe, Giessen, Flensburg, Augsburg, Halle und Sulzbach-Rosenberg kann die Band nicht wie vorgesehen spielen. Auch in der Schweiz wurde bereits ein Konzert „aufgrund textlichen Inhalts“ gestrichen, wie der Veranstalter dem Galler Tagblatt erklärte ( http://old.tagblatt.ch/archivsuchepop/detail.jsp?artikel_id=1176354&liste=1175841,1176354&ressorce=archivsuche). Der Sozialpädagoge des Sulzbacher Jugendtreffs, Christian Böhm, ist durchs Internet auf die Diskussion um Impaled Nazarene aufmerksam geworden. „Bezeichnenderweise sind die besagten Texte als einzige nicht im Booklet der CD abgedruckt, das hat mich stutzig gemacht. Darauf habe ich selber recherchiert“, sagt er und fügt hinzu: „Als ich dann die menschenverachtenden und volksverhetzenden Texte gelesen habe, haben wir das Konzert umgehend abgesagt.“ Außerdem reichte er einen Antrag auf Indizierung bei der Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien (BPjM) ein.

Auch in Halle könnte es ein juristisches Nachspiel geben. Der Schwulen- und Lesbenverband Rosalinde e.V. schickte Pressemitteilungen an Stadtrat, Parteien und Verbände und machte auch die Staatsanwaltschaft Halle und das Justizministerium auf die Band aufmerksam ( http://de.indymedia.org//2006/05/145687.shtml) . Das Justzizministerium leitete die Nachricht an die zuständige Polizeidienststelle weiter, die jetzt wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen die finnische Band ermittelt. Die Rechtfertigungsversuche der Band und ihrer Fans, dass Impaled Nazarene mit Politik nichts am Hut hätte und gerade die Textstelle in „Zero Tolerance“ nichts weiter als „Humor“ sei, will Daniel Gollasch vom RosaLinde e.V. nicht gelten lassen. „Es ist selbstverständlich einfach zum Mord von Schwulen und zur Vergewaltigung von Lesben aufzurufen, damit eine homophobe Atmosphäre zu schaffen und wenn es Kritik gibt zu sagen: Ist alles nur Spaß.“
Ein wenig humorlos scheint der Sänger Mika Lutinnen zu werden, wenn er nicht damit rechnen muss, dass seine Aussagen irgendwo als Interview veröffentlicht werden. So wurde ein Fan, der sich über den Text von „Zero Tolerance“ beschwerte, als „piece of fucking faggot shit“ beschimpft. „I hope you get AIDS and die in pain.“ Absender: „The whole
band.“ ( http://darkscene.at/forum.php?thread=651)
Im Gegensatz zu Veranstaltern in anderen Städten halten die Betreiber des K17 in Berlin-Friedrichshain an dem Konzert fest. „Das wird stattfinden“, erklärt die freundliche Frau am Telefon und verweist für weitere Informationen auf die Website des Ladens, auf der eine Stellungnahme von Impaled Nazarene und des Bookers Bruchsteinrecords zu finden sei ( http://www.k17.de/konzerte/200605130.php) .Auf die Stellungnahme, in der behauptet wird die kritisierten Textpassagen seien „völlig aus dem Zusammenhang gerissen und berücksichtigen weder den historischen Zusammenhang noch den gesamten Kontext“, wurde in einer Mail einer antifaschistischen Initiative an die Betreiber bereits eingegangen. Diese wollte gerne von der K17 wissen „in welchem Kontext, Zusammenhang oder mit welchem historischen Hintergrund sich ein Aufruf zum Mord oder die Vergewaltigung homosexueller Menschen, Vernichtungsphantasien gegenüber Kommunisten, die Benutzung eindeutig nationalsozialistischen Vokabulars und Gedankenguts (Untermensch/Übermensch/Totaler Krieg /Arbeit macht frei) rechtfertigen oder ‚verstehen’ lässt.“

Der sich selber als „links“ verstehende Veranstalter kann einen passenden Kontext auch nicht erläutern und hat „keinen Bock mehr auf diesen Scheiss.“ Damit mag er darauf anspielen, dass es bereits in der Vergangenheit Kritik an Veranstaltungen im K17 gab. So fand im Dezember 2001 ein „Eastside Hardcore over X-Mas“-Festival statt, bei dem unter anderem die Band Withheld auftrat. Der Sänger dieser Band, Michael Manko aus Königs Wusterhausen, ist bei der NPD und bei den ‚United Skins’ organisiert. Das Festival wurde fast ausschließlich von Nazis besucht. Auch an den ‚schwarzen Donnerstagen’ gehören oftmals Nazis zum Publikum. Was bei einem Laden dessen DJ´s ‚Asgard’ und ‚Mitgard’ heißen auch wenig verwundert. Auch wenn Impaled Nazerene keine Nazis sind, sondern ‚nur’ homophob und in Ansätzen faschistoid, muss doch damit gerechnet werden, dass das Konzert wie auch schon im vergangenen Jahr von Nazis besucht werden wird, was von den Betreibern der K17 offensichtlich geduldet wird.
Was geschieht wenn Nazis und/oder faschistisches Gedankengut geduldet wird, kann mensch exemplarisch am Berliner Bezirk Friedrichshain sehen. Allein in diesem Jahr wurden 25 rechtsmotivierte Straftaten gezählt. Damit steht der Bezirk auf Platz eins rechter Gewalttaten in Berlin.

Quelle: http://de.indymedia.org/2006/05/146378.shtml

siehe auch hier: http://www.turnitdown.de/633.html


2 Responses to “2006 – Proteste gegen Auftritte von Impaled Nazarene”


  1. 1 Legion
    Juni 23, 2008 um 8:39 am

    Ich finde es sehr schade das ihr Impaled Nazarene als homophob und faschistoid bezeichnet. Das zeigt nur das ihr das Konzept der Band nicht begriffen habt.
    Impaled Nazarene sind einfach nur extrem Nihilistisch und ausgesprochen Zynisch.
    Schaut euch mal diese Interviews mit ihrem Sänger an:
    http://www.metal1.info/interviews/interview.php?interview_id=137
    http://www.metal.de/stories.php4?was=story&id=676
    Ausserdem ist der Sänger bekennender Napalm Death Fan und die sind bekanntlich aus eurem politischen Lager!
    Aber ich finde eure Seite sonst eigentlich zimlich gelungen. Aber es ist wichtig das man nur die WIRKLICH rechten Bands anprangert. Und sich bei den anderen mehr über die Hintergründe informiert.

  2. 2 fightfascism
    Juni 23, 2008 um 1:04 pm

    @legion: dieser text ist einer der wenigen, der wie angegeben von der seite „indymedia“ übernommen und nicht von uns verfasst wurde – insofern wurden die vorwürfe gegenüber impaled nazarene nicht im detail überprüft, wir gehen aber davon aus, dass diese im wesentlichen auf fakten beruhen.

    einer von ff


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