Archiv für August 2010

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Aug
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Kein Bock auf Nazis – Antifaschistisches Fest in Wuppertal

Kein Bock auf Nazis! “Per la Vita – Für das Leben” Antifaschistisches Fest auf dem Lienhardplatz in Wuppertal-Vohwinkel

11.September 2010 ab 15:00 Uhr Konzert mit Esther Bejarano und der Microphone Mafia Festzelt-Cafe-Vokü-Infostände-ZeitzeugInnen-Musik

15:00 Eröffnung durch Veteranen der Roten Armee, Wuppertal (Rat der Kriegsveteranen in der jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal)(angefragt)

15:30 Gespräch mit der Resistance-Kämpferin Henny Dreifuss

17:00 Die neuen Nazis. Informationsveranstaltung mit Jürgen Peters, Antirassistisches Bildungsforum Rheinland

19:00 Simple Tings (Reggae,Wuppertal)

20:00 Esther Bejarano und Microphone Mafia Ausstellung: Neofaschismus in Deutschland Hintergrund

In den letzten Monaten kam es in Vohwinkel und Wichlinghausen vermehrt zu Nazischmierereien und Pöbeleien. Zudem tauchten massiv Aufkleber mit faschistischen und rassistischen Inhalten auf. Hinter den Aktivitäten stecken Wuppertaler Neonazis, die sich ganz unverblümt »Nationale Sozialisten Wuppertal« nennen und sich im Internet mit Hakenkreuz und Hitlergruß präsentieren. Diesen Bestrebungen wollen wir in einem breiten Bündnis gegen Rechts und “Für das Leben” entgegentreten.

Die Modernisierung neonazistischer Jugendkultur Referent: Jürgen Peters, Freier Journalist und Bildungsreferent des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland, Mitherausgeber des Buches »Autonome Nationalisten – die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur«, unrast-Verlag, Münster 2009. In Wuppertal existieren neben der NPD, vor allem Nazigruppen, die sich zurzeit von rechten Parteien fernhalten. Diese neuen Nazigruppierungen treten verstärkt als »Nationale Sozialisten«, als »Freie Nationalisten« oder als »Kameradschaft Bergische Front« auf. Mit Parolen wie »Faschismus ist sexy«, »Good night left side«, »Kreativ gegen Antifa« und »Nationaler Sozialismus jetzt« versuchen sie offenbar, neue Mitglieder zu werben.Das Outfit der jungen Rechtsextremisten hat sich von Springerstiefeln, Glatze und Bomberjacke gelöst: Nun kleidet man sich ähnlich wie Angehörige anderer, sogar linker Subkulturen. Die Verwirrung ist groß, seitdem vor einigen Jahren erstmals »Autonome Nationalisten« (AN), eine Fraktion der extremen Rechten die Aktionsformen und Kleidungsstile der autonomen Antifa übernimmt, auf Neonazi-Aufmärschen zu beobachten waren. Was hat es nun auf sich mit den AN? Stellen sie eine neue Gefahr dar? Haben wir es mit verkleideten Neonazis oder mit einer neuen Form extrem rechter Jugendkultur zu tun? Ist die Herausbildung der AN gewinnbringend für die extreme Rechte oder führt sie zu weiteren Konflikten? Funktioniert der Stilwandel tatsächlich reibungslos und sind Inhalte und Formen überhaupt in Einklang zu bringen? In dem Vortrag werden Entstehungsgeschichte, Ideologie, politische Praxis, Habitus und Selbstverständnis der AN unter die Lupe genommen.

Henny Dreifuss Henny Dreifuss, geboren 1924, floh 1933 mit ihrer Familie aus Mannheim nach Frankreich, ihre jüdischen Eltern waren aktive Sozialdemokraten. 1939 muss sie sich von der Familie trennen und findet in Limoges in einem Kinderheim Arbeit. Auch dort holen sie die Schrecken der Nazi-Herrschaft ein: Jüdische Kinder zum Beispiel werden bei Nacht abgeholt. In der ständigen Angst, selbst verhaftet zu werden, entschließt sich Henny Dreifuss 1942 zum Widerstand: „Ich wollte einfach nicht mehr onmächtig sein.“ Im Heim arbeiten politisch aktive Emigrantinnen aus ganz Europa. Über ihre Kontakte ebnen sie Henny Dreifuss den Weg in die Résistance. Im Dezember 1943 werden ihre Eltern und ihr Bruder verhaftet und in Auschwitz und Maidanek von den Nazis ermordet. Davon wird sie erst nach dem Krieg erfahren, da sie seit 1939 von der Familie getrennt lebt. Henny Dreifuss schließt sich der Resistance an und arbeitet in der „Travail Allemande“ (TA, deutsche Arbeit) an der Zersetzung der deutschen Wehrmacht. Sie erlebt die Befreiung in Lyon.

Esther Bejarano & Microphone Mafia Esther Bejarano kam am 15. Dezember 1924 in Saarlouis in einer deutsch-jüdischen Familie zur Welt. 1943 wurde sie als “Halbjüdin” nach Auschwitz deportiert. Sie ist heute die letzte Überlebende des Mädchenorchesters von Auschwitz, in dem sie Akkordeon spielte. Auf einem Todesmarsch 1945 konnte sie fliehen. Nach der Befreiung wanderte sie nach Palästina aus. 1960 zog Esther Bejarano nach Hamburg. Ihr Leben beschrieb die unermüdliche Zeitzeugin in der Biographie: “Wir leben trotzdem”. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr künstlerisches und antifaschistisches Engagement. Sie ist Vorsitzende des Auschwitz-Komitees und Ehrenvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Mit ihren Kindern, Edna und Joram, spielt sie in der Band “Coincidence”. Ihr Programm besteht zu einem Teil aus Liedern in jiddischer Sprache, die in den Ghettos und KZs entstanden sind. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Gegenwart: Ausgrenzung, Rassismus, Gewalt und Krieg werden anhand von Stücken von Bertold Brecht, Nazim Hikmet oder Mikis Theodorakis thematisiert. Die Texte werden im Original vorgetragen, mindestens acht Sprachen bringen die Bejaranos dabei zu Gehör: Damit wollen sie ihr Verständnis von Völkerfreundschaft und -verständigung ausdrücken. Rosario Pennino und Kultu Yurtseven sind typische “Jugendliche mit Migrationshintergrund”: aufgewachsen im Kölner Arbeiterviertel wurden und werden sie zeitlebens mit Rassismus konfrontiert. Ihre Erfahrungen verarbeiten sie in ihren Musikstücken. Als Microphone Mafia rappen sie auf türkisch, neapolitanisch und Kölsch. “Beim gemeinsamen Projekt “Per La Vita – Für das Leben” prallen Welten aufeinander. Und dieser Aufprall soll die Menschen wachrütteln”, kommentiert Kutlu Yurtseven die Zusammenarbeit. Dieser musikalische Urknall ist ein ungewöhnliches künstlerisches Projekt, in dem musikalische Widersprüche harmonisch in Einklang gebracht werden. Die Zusammenarbeit ist eine gewagte Synthese aus Tradition und Moderne, in der sich in den Texten die Erfahrungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart widerspiegeln. Auch wenn manche Stücke betroffen machen, so strahlen die meisten Optimismus aus, sind so vielschichtig wie das Leben selbst, und trotz aller Höhen und Tiefen ein uneingeschränktes “Ja!” zum Leben.

Veranstalter: Bündnis gegen Rechts




Auf dieser Seite gehts darum, rechtsextreme und neonazistische Aktivitäten in der Metal- und Neofolk-Szene sowie in anderen Subkulturen aufzuzeigen und über einschlägige Bands, Labels usw. aber auch über antifaschistische Gegenaktivitäten zu informieren. Kontakt: aloishuber2 (at) gmx.net

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